Währungsrisiken absichern

Die Vorteile einer Kurssicherungspolitik überwiegen.

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten:
Individuell entscheiden oder Leitplanken vorgeben – es gibt unterschiedliche Strategien, wie Unternehmen Währungsschwankungen absichern. Die RAPS GmbH & Co. KG hat sich für eine verbindliche Hedging-Policy entschieden. Martin Vonmetz, Leiter Finanz- und Rechnungswesen, berichtet aus seiner Praxis.

Würzmischungen, Öl, Vanille: Das Familienunternehmen RAPS ist ein „Ingredientspezialist“. 60 Prozent des Umsatzes fallen im Ausland an. Damit verbunden sind Währungsrisiken. Eine Hedging-Policy gibt vor, wie diese abzusichern sind. Martin Vonmetz, Leiter Finanz- und Rechnungswesen bei RAPS, schildert im Interview, wie es dazu kam.

Metzger, Restaurantköche und die Lebensmittelindustrie sind seit mehr als 90 Jahren die Kunden der RAPS GmbH & Co. KG. Das Familienunternehmen aus Kulmbach versteht sich als „Ingredientspezialist“ und bietet vieles, was den Geschmack verfeinert. Im Sortiment sind zum Beispiel Würzmischungen für Leberkäse, Basilikumöl oder Bourbonvanille. RAPS setzte im Jahr 2016 rund 180 Millionen Euro um und beschäftigt 800 Mitarbeiter.

Das Unternehmen kauft seine Rohstoffe weltweit ein. Gefertigt wird an drei Produktionsstandorten: in Kulmbach, in Versmold und in Obertrum in der Nähe von Salzburg. Die wichtigsten Absatzmärkte außerhalb des Euroraums sind neben dem gesamten osteuropäischen Raum auch Großbritannien, Tschechien und die Schweiz. Rund 60 Prozent des gesamten Umsatzes erzielt RAPS im Ausland. Damit verbunden sind Währungsrisiken, die die Unternehmensgruppe seit Januar 2015 anhand einer Hedging-Policy absichert.

Welchen Währungsrisiken ist RAPS ausgesetzt?

Risiken entstehen für uns beim Einkauf der Rohstoffe und beim Verkauf unserer Produkte. Wir bezahlen unsere Rohstoffe überwiegend in US-Dollar und haben uns deshalb immer schon gegen Schwankungen des Dollarkurses abgesichert. Schmerzhafte Erfahrungen haben wir im Vertrieb gemacht. Dort waren wir den Kursschwankungen in der Vergangenheit ausgeliefert. Unsere Tochtergesellschaften verkaufen zum Beispiel in Pfund oder in Schweizer Franken.

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Warum hat man die US-Währung für den Einkauf abgesichert, den Umsatz in Fremdwährungen jedoch nicht?

Zunächst einmal ist die Schwankung des Dollarkurses für uns volumenmäßig das größte Einzelrisiko. Hinzu kommt, dass das Währungsrisiko beim Verkauf zunächst in den einzelnen Landesgesellschaften anfiel. Der Effekt war in der Zentrale nicht unmittelbar spürbar.  

Was gab den Anstoß, eine Hedging-Policy zu definieren?

Unser Ziel war, die Kollegen vor Ort zu entlasten. Landesgesellschaften, deren einziger Zweck der Vertrieb unserer Produkte ist, sollten sich nicht mit Kursschwankungen und deren Vermeidung beschäftigen müssen, sondern sich auf ihre ursprüngliche Aufgabe, den Verkauf, konzentrieren können. Zudem wollten wir das Wissen rund um die Währungsabsicherung in Kulmbach bündeln.

Vorteile einer Kurssicherung
"Landesgesellschaften, deren Zweck der Vertrieb unserer Produkte ist, sollten sich nicht mit Kursschwankungen und deren Vermeidung beschäftigen müssen.“
Martin Vonmetz
Leiter Finanz- und Rechnungswesen bei RAPS

Sie haben die Hedging-Policy zum 1. Januar 2015 eingeführt. Wie lange haben die Vorbereitungen gedauert?

Für das Konzept, die Abstimmung mit der Geschäftsführung und die Freigabe haben wir drei Monate benötigt. Wenn man sich dem Thema mit Muße und Verstand nähert, im Währungsmanagement erfahren ist und sich darauf konzentriert, ist das in dieser Zeit möglich. Man braucht einen Sparringspartner – das war bei uns Matthias Siewers, der Währungsexperte der HypoVereinsbank in Nürnberg. Und geholfen hat uns die Vorlage der Bank, wie eine Hedging-Policy aussehen kann.  

Was ist der nächste Schritt nach der Freigabe der Hedging-Policy?

Die Policy muss mit Leben gefüllt werden. Wir haben die benötigten Währungsvolumina erhoben. Man braucht zusätzliche Fremdwährungskonten. Darüber hinaus ist für uns wichtig, dass die Fremdwährungskonten – genau wie unsere Euro-Konten – direkt an das ERP-System angebunden sind, um die automatische Verbuchung der Geschäftsvorfälle auf den Währungskonten sicherzustellen.

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Was hat sich für die Geschäftsführer der Tochtergesellschaften verändert?

Vor der Umstellung haben zum Beispiel die Kollegen in Großbritannien eine Rechnung der Zentrale in Euro bekommen und die Ware in Pfund verkauft. Sie konnten taktieren, wann sie ihre Pfund in Euros tauschen. Sie mussten aber auch in zwei Währungen denken. Jetzt stellt die Zentrale die Rechnung in Pfund und die Kollegen konzentrieren sich auf ihre Aufgabe, den Vertrieb. Sie haben diese Umstellung begrüßt und positiv aufgenommen.

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Und es hat niemand die Umstellung bereut?

Wir arbeiten mit einem fixierten Kurs, einem Plankurs, den wir mit Sicherungsgeschäften bei der HypoVereinsbank unterlegt haben. Die Tochtergesellschaften nehmen ihre Waren von der Muttergesellschaft zu einem festen Preis ab. Zum Jahresanfang 2015 hatte die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs für den Euro aufgehoben. Der Franken wertete auf und die Schweizer Kollegen hätten – wenn wir beim alten System geblieben wären – Währungsgewinne erzielen können. Da trauerten schon manche der alten Situation nach.

Und heute?

Wir weisen das Ergebnis aus unseren Sicherungsgeschäften separat aus und zeigen den Sicherungsgewinn oder -verlust. Das ist komplex und muss erklärt werden. Ich beobachte, dass es natürlich leichter ist, einen Sicherungsgewinn mitzunehmen, als einen Sicherungsverlust zu akzeptieren.

Sichergungsgewinn und Sicherungsverlust
"Ich beobachte, dass es natürlich leichter ist, einen Sicherungsgewinn mitzunehmen, als einen Sicherungsverlust zu akzeptieren.“
Martin Vonmetz,
Leiter Finanz- und Rechnungswesen bei RAPS
Wenn Sie ein Finanz-Kollege eines anderen Unternehmens nach den Vorteilen einer schriftlich fixierten Kurssicherungspolitik fragen würde, was sagen Sie diesem?

Der entscheidende Vorteil einer Policy ist, dass wir dokumentiert haben, was vorher in verschiedenen Köpfen war. Zudem haben wir den Vertrieb entlastet. Und der dritte Punkt ist, dass wir wie geplant das Know-how der Währungsabsicherung in Kulmbach bündeln konnten.

Gibt es auch Nachteile?

Wenn man überhaupt von Nachteilen sprechen möchte, dann ist der Aufwand zu nennen. Wir müssen die Hedging-Policy aktualisieren, die Plansicherungs-Volumina definieren, die Entscheidungsvorlage schreiben und die Sicherungsgeschäfte durchführen. Das ist ein turnusmäßig auftretender Aufwand.

Wie lautet demnach Ihr Resümee?

Die Vorteile einer Hedging-Policy überwiegen!

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