Kohle aus der Kakaoschale!

Das Würzburger Startup-Unternehmen Circular Carbon produziert aus biologischen Abfallstoffen landwirtschaftlich nutzbare Pflanzenkohle und grüne Energie.

Circular Carbon Nachhaltigkeit

Felix Ertl hat ganz konkrete Vorstellungen davon, wie sich der Raubbau der Erde eindämmen und in ökologische Kreislaufwirtschaft umwandeln lässt. Der Name seiner Firma Circular Carbon ist dabei Programm: Pflanzenkohle, die beim Verkohlen von biologischen Abfallstoffen entsteht, soll als Kohledünger und Bodenverbesserer wieder in den Boden gelangen. Diese Kohle bindet dann im Boden langfristig das Kohlendioxid, welches die Pflanze aus der Atmosphäre entnommen hat – ein Kreislauf aus Kohlenstoff eben.

Pyrolyse heißt dieses chemo-thermische Verfahren im Fachjargon. Reichert man Pflanzenkohle mit Mineralien und Mikroben an, unterstützt sie den Aufbau von Humus und wird zu einem nährstoffhaltigen Düngemittel. Außerdem erhöht diese Biokohle die Fähigkeit von ausgelaugten Böden, Wasser zu speichern, macht diese widerstandsfähiger bei Dürreperioden und verbessert das Wachstum von Pflanzen. Gleichzeitig wird bei der Produktion der Kohle Energie frei, die zur CO2-neutralen Energieversorgung der Lebensmittelindustrie genutzt wird.

Deshalb stellt das Projekt auch einen Hoffnungsträger für die Erreichung einer CO2-neutralen Gesellschaft bis 2050 dar, um die Erderhitzung auf 2°C zu begrenzen.

„In der Summe ist das Projekt klimapositiv, da wir ca. 3t/CO₂ je Tonne Kohle in den Boden zurückbringen.“
Felix Ertl,
Gründer und CEO von Circular Carbon
Nachhaltigkeit Felix Ertl

Von Förderprojekten zum Meisterstück.

Wie Ökologie und Ökonomie zusammengehen, hat Ertl in den vergangenen zehn Jahren mit einer Reihe von internationalen Projekten gezeigt. Zum Beispiel in Uganda mit einem von der Weltbank und zwei weiteren Hilfsorganisationen geförderten Programm. Dabei ging es darum, in ländlichen Regionen über die Pyrolyse von Maiskolben eine Energieversorgung aufzubauen, die unter anderem Reis- und Maismühlen mit Strom versorgt. „Seitdem hat mich die Pflanzenkohle nicht mehr losgelassen“, erinnert sich Ertl.

In seiner Heimatstadt Würzburg gründete Ertl 2018 zusammen mit Peik Stenlund, Lasse Gunnerud und Julian Pertwee das Unternehmen Circular Carbon. Seine Gefährten kennengelernt hatte er während des Studiums der Verfahrenstechnik in Stockholm und bei der Entwicklung von Biomasse-Energieprojekten in Großbritannien. Für die Geschäftsidee zur ökologischen Kreislaufwirtschaft erhielten Ertl und sein Team im Juni 2019 den Würzburger Startup-Preis.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der passionierte Langstreckenwanderer und Trekking-Fan Ertl schon einen Großauftrag in der Tasche: Circular Carbon ist dabei, in Hamburg eine Anlage für die Verwertung von Kakaoschalen in Betrieb zu nehmen. Die aus dem Verkohlungsprozess entstehende Pflanzenkohle soll von Circular Carbon verkauft werden. Zwei Partner, die 2.000 Tonnen der jährlich entstehenden Pflanzenkohle zu vertraglich fixierten Preisen abnehmen, hat die Firma bereits an Land gezogen.

Die Finanzierung des „Schoko-Projekts".

Bei der Finanzierung des Projekts kommt die HVB ins Spiel.

Dass sich Circular Carbon für die HVB als Finanzierungspartner entschied, hat für Ertl vor allem zwei Gründe. „Die HVB ist in Würzburg sehr präsent und zugleich international aufgestellt. Das wird uns bei künftigen Auslandsprojekten den Zugang zu Kapital erleichtern.“ Außerdem überzeugte den Jungunternehmer die intensive persönliche Beratung.

„Startups wie unsere Firma benötigen Zugang zu Krediten. Die HVB hat uns frühzeitig auf die richtigen Förderprogramme aufmerksam gemacht und bei der Beantragung und Antragstellung unterstützt. Alleine hätten wir das komplexe Prozedere nicht geschafft“, so Felix Ertl.

Erstmals in Kontakt mit der Bank kam Ertl Anfang 2018.

Als Türöffner für Circular Carbon betätigten sich Aktivsenioren aus der Region Würzburg. Dieser bayernweit tätige gemeinnützige Verein berät ehrenamtlich Existenzgründer und kleine und mittlere Unternehmen in allen betriebswirtschaftlichen Fragen. Vertreter von Banken, die sonst im Wettbewerb miteinander stehen, sind hier eng vernetzt.

Und so kam es, dass der inzwischen pensionierte Vorstand einer Raiffeisenbank Ertl mit dem Firmenkundenberater der HVB Würzburg zusammenbrachte. Über die HVB kam Circular Carbon in Kontakt mit der Spitzmüller AG. Dieses Familienunternehmen mit Sitz im badischen Gengenbach berät als Partner von Banken mittelständische Unternehmen, wenn es darum geht, an öffentliche Fördermittel und Zuschüsse zu kommen. Als das für Circular Carbon am besten geeignete Finanzierungsvehikel kristallisierte sich das Programm 295 der KfW heraus. Dieses auf ökologische Anliegen ausgerichtete Programm bietet Subventionen mit 30 bis 45 Prozent Fördermittelzuschüssen (weitere Details zu Fördermittel finden Sie hier ).

4,5 Millionen Euro an Finanzmitteln, davon 3,0 Millionen Euro aus einem KfW-Förderprogramm, hat das 2018 gegründete Würzburger Startup mit seinen 9 festen Mitarbeitern für das Prestigeprojekt in Hamburg zur Verfügung.

Und wie überzeugte Circular Carbon die HVB?

„Das Geschäftsmodell hat aus unserer Sicht viel Potenzial. Der Technologieansatz ist sehr viel versprechend. Einmal umgesetzt, sollte sich die Idee gut skalieren und auf andere Bereiche übertragen lassen“, sagt Michael Rößert. Der Firmenkundenberater der HVB betreut in der Region Würzburg rund 80 mittelständische Firmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 200 Millionen Euro.

„Auch bei einem anderen für uns ausschlaggebenden Kriterium, der persönlichen Kreditwürdigkeit, hat Ertl als Unternehmer neben seinem validen Businessplan voll überzeugt“, meint Rößert. Bis zum Vertragsabschluss mit der HVB vergingen noch 18 Monate. In diesem Zeitraum erweiterte Circular Carbon die Gesellschafterstruktur. Mit dem Einstieg der Holdinggesellschaft Econnext, die sich 50,1 Prozent der Firmenanteile sicherte, hat Circular Carbon einen langfristigen Investor an Bord.

Facts

00.000 Tonnen

Kakaobohnenschalen sollen in ...

0.000 Tonnen

Planzenkohle und ...

00.000 MWh

Dampf umgewandelt werden.
Damit lassen sich insgesamt 5.500 Tonnen Kohlendioxid im Jahr durch die Vermeidung von fossilen Brennstoffen einsparen. Weitere 10.000 Tonnen Kohlendioxid werden in der Kohle dauerhaft gebunden.
„Die passende nachhaltige Finanzierung zu finden, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Wir haben den Anspruch, die optimale Lösung mit günstigen Konditionen für Sie zusammenzustellen.“
Michael Rößert,
Firmenkundenbetreuer, HypoVereinsbank Würzburg
Nachhaltigkeit Michael Rößert

Die nächsten Ziele von Circular Carbon.

Die Finanzierung steht.

Nun geht es daran, die Anlage fertigzustellen. Schon im ersten Quartal 2021 soll es soweit sein und bis Mitte 2021 will Circular Carbon den Betrieb sukzessive hochfahren. Mit weiteren Fördermitteln will das Unternehmen zusätzliche Anwendungsbereiche für Biokohle erschließen und Produkte patentieren. Zugleich sucht Ertl nach Abnehmern für noch 1.500 Tonnen Biokohle.

Für die Massenanwendung in der Landwirtschaft ist der Preis für Pflanzenkohle noch zu hoch und wirtschaftlich noch nicht tragbar. Optimal ist die Biokohle dagegen für Obst- und Gemüsebauern oder Gärtnereien, im Substrat für Dachbegrünungen und als Kohledünger für Rasen. Aber auch Hersteller von Futtermittel-Additiven für Haustiere, Spezialisten für Indoor Farming oder Firmen mit organischen Baustoffen kommen als Abnehmer in Frage.

Parallel arbeitet Ertl an der Zukunft.

„Unsere Mission ist es, die Nachhaltigkeit in der Kakaoindustrie voranzubringen. Hamburg ist dafür die Blaupause.“ Bis zu 20 weitere Projekte auch mit anderen Reststoffen, wie Kaffeespelzen oder Faserstoffe aus der Papierindustrie sind in der Pipeline. Und wer Ertl vom ökologischen und kommerziellen Potenzial der Biokohle schwärmen hört, der ahnt, dass der rührige Unterfranke noch jede Menge vorhat.

Weitere Informationen zu Nachhaltigkeit im Mittelstand:
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