Eine Familie für tausend Verbindungen.

Die Nachfolge regeln. #DasIstMirWichtig
Die Strom- und Datenkabel von LAPP werden rund um die Welt in Industriemaschinen, Anlagen und Gebäuden verbaut. Der Stuttgarter Mittelständler setzt dabei auf engste Bande – über mehrere Generationen hinweg.

Wenn Algorithmen das Gehirn der vernetzten Welt sind, dann sind Kabel ihre Blutbahnen und Datenleitungen ihr Nervensystem. So sieht das Andreas Lapp als Vorstandschef eines weltweit führenden Herstellers von „Verbindungslösungen“ mit über 40.000 unterschiedlichen Kabeln, Litzen, Leitungen und Zubehörteilen im Produktkatalog.

Andreas Lapp führte das schwäbische Familienunternehmen U.I. LAPP GmbH in der zweiten Generation mehr als drei Jahrzehnte lang. Nun nehmen Jüngere Stück für Stück die unternehmerischen Zügel in der schwäbischen Kabeldynastie auf. Vor zwei Jahren hat Lapps Neffe Matthias die Führung der größten Region innerhalb der LAPP Gruppe übernommen. Mit der Verantwortung  für Europa, den Nahen Osten, Afrika und Lateinamerika fallen damit bereits 70 Prozent der weltweiten Umsätze in seine Verantwortlichkeit. Sein Onkel Andreas ist nach wie vor Vorsitzender des Vorstands der weltweiten Dachgesellschaft LAPP Holding sowie in den Aufsichtsrat der größten Einzelgesellschaft U.I. LAPP GmbH gerückt - eine Rolle, die bis vor kurzem noch die Unternehmensgründerin Ursula Ida Lapp innehatte.

Geräuschloser Übergang an die nächste Generation.

Mit Personalrochaden bringt LAPP den Firmenübergang Schritt für Schritt innerhalb der Familie geräuschlos über die Bühne. Der mittelständische „Hidden Champion“ ist in Baden-Württemberg und im Markt der Verbindungstechnologie wahrlich kein Unbekannter. Mit einem weltweiten Umsatz von 1,15 Milliarden Euro pro Jahr und über 4.000 Mitarbeitern, hat sich die Firma eine führende Position im globalen Kabelmarkt erobert. Die Straße in Stuttgart-Vaihingen, an der LAPP seinen Sitz hat, trägt den Namen von Oskar Lapp – dem Mitgründer und Ehemann von Ursula Ida Lapp.

Gute Kabel brauchen digitale "Kundenversteher".

Inzwischen hat sich die mittlerweile 89-jährige Unternehmerin aus dem Aufsichtsrat zurückgezogen. Ihre Firmenanteile gingen größtenteils an die fünf Enkel. Von ihnen hat, neben Matthias, auch dessen jüngerer Bruder Alexander bereits eine tragende Rolle übernommen.

Als Global Manager Digitalisation & eBusiness treibt er vor allem die Digitalisierung des Unternehmens voran – auch für LAPP eine zentrale Zukunftsfrage. Unter anderem bietet LAPP bereits viele komfortable digitale Bestellmöglichkeiten. Je schneller und einfacher der Kunde eine Lösung für sein Verbindungsproblem finde, desto zufriedener sei er, sagt Alexander Lapp. Eine mobile „Scan-to-LAPP“-Lösung etwa macht Nachbestelllungen einfacher, eine neue E-Shop-Plattform sorgt für bessere Orientierung der Kunden.

Viele Kabel- und Verbindungslösungen sind heutzutage so spezifisch, dass sie von Kunden und Herstellern gemeinsam definiert werden müssen. „Wir sehen uns als ‚Kundenversteher‘. Und da hilft uns der digitale Kontakt zum Kunden enorm. Selbst Bestellern in den entlegensten Gebieten der Erde können wir genau das Produkt liefern, das sie benötigen“, unterstreicht Alexander Lapp.  

Vom Hersteller zum Lösungsanbieter.

Kurze Lieferzeiten, Maßkonfektion und die Nähe zu Experten sind denn auch die zentralen Versprechen von LAPP an seine Kunden. Das war schon das Credo von Andreas Lapp, der nach dem frühen Tode des Firmengründers Oskar 1987 mit 31 Jahren Führungsverantwortung im Unternehmen übernahm. Er trieb die globale Expansion voran. Das Ziel, das LAPP noch heute stark macht: die Lieferzeiten kurz und die Servicequalität vor Ort auf höchstem Level halten. 18 Fertigungsstätten, 40 Vertriebsgesellschaften und über 100 Vertretungen sind heute über den Globus verteilt. „Oft bemerken unsere Kunden erst während eines Projekts, dass ihnen eine bestimmte Verbindungslösung fehlt, um weiterbauen zu können. Dann müssen wir in der Lage sein, ihnen schnell zu helfen“, argumentiert Andreas Lapp.

Dass das leichter gesagt als getan ist, zeigt ein Blick in den Produktkatalog, der bei LAPP ganz bewusst auch immer noch in gedruckter Form produziert wird. Fast 1.200 Seiten umfasst der Wälzer, der alle zwei Jahre mit Beschreibungen abertausender Kabel und Steckverbindungen neu aufgelegt wird. Die Palette reicht von einfachen Kupferlitzen über komplexe Kabelstränge bis hin zu hochleistungsfähigen Glasfaserlösungen für den zuverlässigen Transport großer Datenmengen.

Auch aktive elektronische Elemente, sogenannte Switches, sind im Angebot. Hier arbeitet das Unternehmen eng mit langjährigen Partnern zusammen, um seinen Kunden den gewohnten Qualitätsstandard zu bieten. „Lieber gut zukaufen, als schlecht selber machen“, kommentiert Andreas Lapp dazu trocken. Ein uneitles Motto, das einmal mehr die Lösungsorientierung und den Pragmatismus widerspiegelt, der bei den LAPPs herrscht.

Industrie 4.0 treibt das Wachstum weiter.

Apropos Datentransport – wer einen LAPP-Manager fragt, ob der Trend zu drahtlosen Lösungen, etwa durch den Start des 5G-Mobilfunkstandards, nicht die Grundlage des Geschäfts untergraben könnte, bekommt als Antwort ein entspanntes Lächeln. "Wir sind Anbieter von Verbindungslösungen und arbeiten technologieoffen, und wenn ein Kunde das will, setzen wir auch Drahtlos-Lösungen um. In den meisten Fällen ist und bleibt ein Kabel aber die bessere Lösung, das spiegeln uns auch unsere Kunden zurück“, stellt Matthias Lapp fest. Denn erstens wird das Kabel für den Energie- und Stromtransport weiterhin unersetzlich bleiben. Und zweitens sind drahtlosen Technologien bei Übertragungsgeschwindigkeit und Sicherheit enge physikalische Grenzen gesetzt. Die Latenz, also der Zeitraum zwischen elektronischem Impuls und der folgenden Reaktion, ist bei Funkübertragungen nun einmal länger als bei Kabelverbindungen. Davon kann ein Leben abhängen – etwa, wenn der Not-Stopp eines Roboterarms in der Fertigung verzögerungsfrei auslösen muss.

Indirekt treiben die Fortschritte in der drahtlosen Technik sogar die Geschäfte mit Kabeln an. Wo drahtlos vernetzt wird, werden auch Kabel gebraucht. „Der Trend zur vollvernetzten Fertigung und Industrie 4.0 hilft uns sehr, denn er bedeutet mehr Verbindungen und wir stellen Verbindungen her. Kabeltechnik und Wireless-Technologie stehen dabei nicht etwa in Konkurrenz zueinander, sondern verstärken sich sogar gegenseitig“, erklärt Andreas Lapp.

Der Markt für die in der Digitalisierung ganzer Industriezweige genutzten Ethernet-Lösungen – der Datenübertragung per Kabel – ist denn auch mit Zuwachsraten von über 25 Prozent pro Jahr zurzeit der Wachstumsmotor des Unternehmens. „Das Kabel wird im Hinblick auf die Kosten über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts immer die günstigste und zuverlässigste Lösung bleiben“, ist Andreas Lapp überzeugt.

Kabelklassiker Ölflex trägt LAPP bis heute.

Im Produktangebot findet sich auch das Ölflex-Kabel – eine für die Branche wegweisende Erfindung der Firmengründer Oskar und Ida Ursula Lapp. Der Ingenieur Oskar Lapp tüftelte 1957 die Idee aus, die einzelnen Adern des Kabels mit unterschiedlich eingefärbten Isolierungen zu versehen. Bis dahin waren sie vornehmlich schwarz und grau. Um an beiden Enden von Schläuchen und Kabelschächten die richtigen Enden zu identifizieren, mussten Monteure die einzelnen Adern jeweils umständlich „durchklingeln“. LAPPs Ölflex-Kabel – der Name steht für ölbeständig und flexibel – löste das Problem. Die erste industriell gefertigte Steuerleitung mit farbigen Adern war geboren und wurde weltweit zum Verkaufsschlager und einer der Grundsteine des heutigen Familienkonzerns.

Heute müssen Kabel indes weit mehr können: zum Beispiel durchhalten, wenn der Roboterarm einer Montagestraße in einem Automobilwerk zigtausendmal am Tag die gleiche Bewegung durchführt – und zwar über die gesamte Lebensdauer der Maschine. Dass sich dies nicht mit einfachen, bei solchen Belastungen vom Bruch bedrohten Kabeln in Baumarktqualität bewerkstelligen lässt, liegt auf der Hand. „Robotik ist die Königsdisziplin der Kabeltechnik“, erklärt Matthias Lapp. Die Spezialanfertigungen aus dem Hause LAPP halten auch extremen Belastungen stand, seien es Bewegungen, starke Temperaturschwankungen oder Kontakte mit aggressiven Stoffen.

Das Feuer bewahren – nicht die Asche anbeten.

Fortlaufende Produktverbesserung, Innovationen und marktfähige Ergebnisse sind für den schwäbischen Mittelständler unternehmerische Pflicht. So hat LAPP etwa in diesem Frühjahr auf der Hannover Messe die smarte Kabeltrommel vorgestellt, die beim Messerundgang von Angela Merkel auf Bewunderung bei der Bundeskanzlerin stieß. Eingebaute Sensoren melden selbständig, wenn das Kabel auf der Rolle zur Neige geht. Kostspielige Unterbrechungen der Produktion, nur weil jemand versäumt hat, rechtzeitig neues Material nachzubestellen, gehören damit der Vergangenheit an. „Transparenz schafft Effizienz in der modernen Fertigung. Dazu leistet diese smarte Idee einen Beitrag“, sagt Matthias Lapp.

Den neuen – und alten – Ingenieursgeist im Hause Lapp symbolisiert kaum etwas mehr, als die jüngst errichtete neue Firmenzentrale. Transparenz, Großzügigkeit, offene Architektur und lichtdurchflutete Räume sorgen für Kommunikation ohne Barrieren. Das ist ganz im Sinne der jungen Firmenlenker der dritten Generation. Agile Zusammenarbeit über Abteilungen und Standorte hinweg gehören für sie selbstverständlich dazu, wie auch eine Führungskultur, die Selbstverantwortung fördert und Mitarbeiter ermuntert, ihre eigenen Ideen ein- und umzusetzen.

Dieser Wandel vollzieht sich, wie in der Unternehmerfamilie Lapp vieles angepackt wird: schwäbisch unaufgeregt, mit effektivem Arbeitsethos und immer mit der Zukunft im Kopf. Denn auch die jüngste Unternehmergeneration Lapp weiß, was Matthias Lapp so ausdrückt: „Es ergibt keinen Sinn, die verbrannte Asche anzubeten. Wichtig ist, das Feuer am Brennen zu halten“.

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