Finanzwissen Nachhaltiges Investment

Orientierung durch Nachhaltigkeitsratings

Wer gezielt in nachhaltig wirtschaftende Unternehmen investieren will, benötigt valide Informationen über die entsprechenden Aktivitäten der Unternehmen. Gleiches gilt, wenn man Unternehmen ausschließen will, die gegen Nachhaltigkeitsstandards verstoßen. Deshalb ist es sinnvoll, Ratingagenturen zurate zu ziehen, die sich auf die Bewertung sozialer und ökologischer Leistungen von Unternehmen spezialisiert haben. Auch für die Unternehmen bieten Ratings neue Chancen und Möglichkeiten.

  • VORTEIL FÜR PRIVATPERSONEN: eine umfassende Orientierung bei der Umsetzung individueller nachhaltigkeitsrelevanter Anlagestrategien. 

  • VORTEIL FÜR UNTERNEHMEN: der Markt für Green Finance bietet immer mehr Möglichkeiten, die Nachhaltigkeitsbewertungen zu nutzen.

Nachhaltigkeitsrating
Die wachsende Zahl von Nachhaltigkeitsberichten der Unternehmen hilft dabei, die Nachhaltigkeitsqualität von Unternehmen zu bestimmen. Unabhängige und spezialisierte Ratingagenturen liefern zudem Bewertungen mithilfe umfassender Kriterienkataloge, die auf Unternehmen oder Staaten angewendet werden.

Mehr und mehr Unternehmen legen Wert auf das Label „nachhaltig“ und treffen damit einen Nerv der Zeit. Doch was nachhaltig ist und was nicht, dafür gibt es keine allgemeingültige Definition. Als grobe Richtschnur kann man die 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) heranziehen, die die Vereinten Nationen 2015 verabschiedet haben. Bei ihnen geht es darum, Armut zu bekämpfen, die Welt gerechter zu machen, Frauenrechte zu stärken sowie Klima und Artenvielfalt zu schützen.

Auch wenn es sehr aufwendig erscheint das Geschäftsmodell und die Strategie angesichts der E, S & G-Themen zu überdenken, hilft es eine zukunftsorientierte stabile Ertragskraft des Unternehmens zu gewährleisten.
Mireille Khazaka
Chief Sustainable Finance Officer, CRO, HypoVereinsbank
Nachhaltigkeit Mireille Khazaka

Unternehmen unter der Lupe

Abgeleitet aus den UN-Zielen sind die ESG-Ratings entstanden, die eine Bewertung eines Unternehmens anhand der Faktoren Umwelt, Soziales und guter Unternehmensführung (Environment, Social und Governance) vornehmen. Die ESG-Klassifizierung soll dazu beitragen, die nachhaltige Entwicklung auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Ebene sicherzustellen. Es geht also darum, bestimmte nicht-finanzielle Aspekte zu berücksichtigen und nicht nur wie bei traditionellen Unternehmensratings das Ausfallrisiko eines Kreditnehmers zu beurteilen.

EU legt Aktionsplan vor

Dass sich Unternehmen intensiver mit dem Komplex ESG auseinandersetzen müssen, liegt auch am zunehmenden Druck durch den Gesetzgeber, die ESG-Faktoren stärker beim klassischen Ratingprozess zu berücksichtigen. Ein klares Signal hat etwa die EU-Kommission im Rahmen ihres im März 2018 vorgelegten Aktionsplans für ein nachhaltiges Finanzwesen gesetzt. Ihr Ziel: Sie will den ökologischen und sozialen Wandel der europäischen Wirtschaft mit Hilfe eines nachhaltigen Finanzwesens vorantreiben. Damit mehr Geld in nachhaltige Bereiche fließt, sollen sich Investitionsentscheidungen künftig auch an ESG-Kriterien orientieren.

Doch schon vor dem EU-Aktionsplan war nachhaltiges Wirtschaften ein wichtiges Thema, wie Daten der US-Ratingagentur Standard & Poor’s zur traditionellen Bonitätsanalyse belegen. Demzufolge wurden zwischen 2015 und 2017 mehr als 200 oder rund 15 Prozent aller Unternehmensratings und -ausblicke aufgrund von ESG-Faktoren geändert.

ESG-Ratings ermöglichen den Vergleich mit Wettbewerbern

Den Markt für ESG-Ratings dominieren bislang spezialisierte Nachhaltigkeitsagenturen. Sie beurteilen beispielsweise von sich aus börsennotierte Aktiengesellschaften, um sie in Nachhaltigkeitsindizes aufnehmen zu können. Aber auch immer mehr Unternehmen aus dem Mittelstand, die nicht am Kapitalmarkt aktiv sind, vertrauen auf die Expertise der Nachhaltigkeitsagenturen. Diese sammeln tausende ESG-relevante Kennzahlen und Leistungsindikatoren und bereiten sie für ihre Kunden auf. Dazu gehören Daten über Emissionen in die Luft, Gewässer und den Boden ebenso wie solche über den Verbrauch von Rohstoffen oder die Wiederverwertbarkeit der verwendeten Materialien. Schon bei der Entwicklung eines Produktes muss die Wiederverwertbarkeit der Rohstoffe berücksichtigt werden.

Ratingagenturen

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Wichtig sind auch Angaben zur Arbeitssicherheit, die Diversität der Belegschaft oder Anti-Korruptionsmechanismen. Für eine umfassende Beurteilung sollte darüber hinaus die gesamte Lieferkette in den Blick genommen werden. Die Daten werden einem ESG-Score zusammengefasst, der auch Vergleiche mit Wettbewerbern aus der gleichen Branche ermöglicht.

Inzwischen drängen auch die klassischen Kredit-Ratingagenturen ins Geschäft und erstellen zusätzlich zu Bonitätsanalysen auch eine ESG-Beurteilung. Ihr Vorteil: Sie haben häufig einen besseren Zugang zum Management und zu internen Daten der Unternehmen, während die unabhängigen ESG-Agenturen in erster Linie auf öffentlich zugängliche Informationen angewiesen sind. 

Mögliche Reputationsrisiken aus der Nichtbeachtung der ESG-Kriterien fallen zukünftig deutlich schwerer ins Gewicht und können unter Umständen existenzbedrohende Folgen haben.
Mireille Khazaka
Chief Sustainable Finance Officer, CRO, HypoVereinsbank

Nachhaltiges Wirtschaften eröffnet Chancen

Kleinere und mittlere Unternehmen (KMU), die gewöhnlich nicht ohne eigenes Zutun auf Bonität oder Nachhaltigkeit geprüft werden, müssen selbst aktiv werden. Das ist umso wichtiger, als gerade in Deutschland Bankkredite bei der Aufnahme von Fremdkapital für KMU eine größere Rolle als in anderen Ländern spielen.

Und die Banken sind von der EU angehalten, bei der Kreditvergabe verstärkt auf ökologische und soziale Aspekte sowie Fragen der guten Unternehmensführung zu achten. Das setzt voraus, dass ein Unternehmen offen kommuniziert, welche Werte es vertritt und welche Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit es ergriffen hat. 

Die Mühe kann sich auszahlen. Denn auch für Mittelständler bietet der Markt für Green Finance immer mehr Möglichkeiten, die Nachhaltigkeitsbewertungen zu nutzen.

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