Strategie #gemeinsamverändern

Nachhaltig? Klar: der Mittelstand!

Der Mittelstand denkt und wirtschaftet nachhaltig – oft besser als Großunternehmen. Weitblick, Langmut, Besessenheit und Konstanz machen es möglich.
Nachhaltigkeit Mittelstand

So wachsen, wie ein Wald. Langfristig, stetig, auskömmlich, umsichtig – nachhaltig. Das wollen immer mehr Unternehmen. Das Naturreservat Wald benötigt vor allem viel Zeit. Dann gedeiht es, entwickelt Unterholz, eine lebendige Flora und Fauna vom Erdreich bis in die Wipfel. Und genau das macht so ein Biotop groß, widerstandsfähig und für hunderte Jahre erfolgreich.

Dass heute in Deutschland die Energiewende mit Wind, Sonne und Biogas rollt, ist den Technologiepionieren aus den Anlagenbaufirmen des Mittelstands zu verdanken."
Holger Petersen, Professor für Nachhaltigkeitsmanagement an der Nordakadmie Hochschule der Wirtschaft in Elmshorn
Nachhaltigkeit

Der Mittelstand macht es ganz ähnlich. Er ist eine veritable Großmacht der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung, steht dabei für ein Drittel aller Firmenumsätze sowie zwei Drittel aller Beschäftigten in Deutschland. Gerade, wenn dort bereits der vierte oder fünfte Nachkomme im Chefsessel sitzt, wenn in den Bilanzen schon Reichsmark und D-Mark standen und sie nun auf Euro lauten, ist Mittelständlern die Metapher des Waldes und seiner behutsamen, nachhaltigen Bewirtschaftung nicht fremd.

Wie erfolgreich ist der Mittelstand in Deutschland?

20%

Der Mittelstand ist in Deutschland für etwa 20% der Exporte verantwortlich. 

81,7 %

Mehr als 8 von 10 Lehrlingen werden in Deutschland in einem mittelständischen Betrieb ausgebildet.

500

Die 500 größten Familienunternehmen schaffen mehr Jobs als alle Dax-Unternehmen zusammen.

Schließlich denken und handeln die meisten für den langfristigen, nicht kurzfristigen Unternehmenserfolg. Sie folgen den Atemzügen des Markts, planen klug für die nächste Unternehmergeneration, haften mit ihrem Kapital, dienen ihrer Region, bevorzugen den fairen Wettbewerb der Ideen gegenüber ruinöser Konkurrenz. Vielerorts erfüllen sie schon seit mehr als einhundert Jahren Verpflichtungen gegenüber ihren Mitarbeitern und ihrer Region. Sie sind die nachhaltigen Forstwirte unserer Gesellschaft – mit erfolgreichen Produkten, Diensten und Technologien, die oftmals sogar den Weltmarkt dominieren.

Nachhaltigkeit Begrüßung

Die große Freiheit – das Lebenselixier nachhaltiger Pioniere.

Aber woran liegt das? Warum folgen kleinere und mittelgroße Familienunternehmen oft instinktiv nachhaltigen Tugenden, ohne dass darüber groß darüber nachgedacht werden muss? Mittelständische Unternehmen sind vor allem eines: frei. Selten trifft sie überregionale Aufmerksamkeit. Und sie unterliegen keinen kurzlebigen Erwartungen anonymer Aktionäre und Stakeholdern an Strategie, Wachstum und Rendite. Das Maßhalten, das "warten können", aber auch das “einfach Mal machen" – es macht aus mittelgroßen Firmen auch mutige Innovatoren und nachhaltige Entdecker. Dies ist die perfekte Basis für nachhaltiges Wirtschaften im Mittelstand. 

Wenn Mittelständler eine gesunde Finanzstruktur haben, können sie schalten und walten, wie sie möchten. Damit können sie Nachhaltigkeitsziele auch dann verfolgen, wenn der Erfolg kurzfristig ausbleibt."
Holger Petersen, Professor für Nachhaltigkeitsmanagement an der Nordakadmie Hochschule der Wirtschaft in Elmshorn
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Bio-Saft, Stoffkreislauf, Windturbinen – der Mittelstand prägt nachhaltige Produkte!

Mittelständler brauchen den Instinkt für den Erfolg in einer anfangs kleinen Kundennische, die so tickt wie sie selbst. Die Marktforschung auch mal Marktforschung sein zu lassen und die eigenen Ideen hartnäckig gegen alle Einsprüche zu verfolgen. Das ist häufig das Rezept für Erfolg im Mittelstand. "Dieser Ansatz ist beileibe nicht ohne Risiko. Aber es bringt aus dieser Unternehmenskategorie eben auch häufig Nachhaltigkeitspioniere hervor. Die möchten erklärtermaßen zeigen, dass bestimmte Produkte am Markt funktionieren. Und erst wenn das bewiesen ist, sind sie zufrieden. Dann ziehen meistens erst die großen Konkurrenten nach", so Petersen.

Nachhatigkeit Sonnenuntergang

Wenig überraschend werden viele dieser nachhaltigen Produkte denn auch von Mittelständlern im Sinne der Bewahrung von Lebensgrundlagen entwickelt. Da ist der niedersächsische Safthersteller Voelkel, der Bio-Säfte aus der Region abfüllt und sich überwiegend auf den Gaumen des Firmeninhabers verlässt, wenn es an neue Getränke-Kreationen geht. Da sei die Feuerverzinkerei Wiebel, die von Franken aus Standorte in Deutschland, Österreich, Tschechien und der Slowakei betreibt und aus eigenen Stücken in die Zukunft geschlossener Stoffkreisläufe und ökologischer Energiesysteme aufgebrochen ist.  Nur zwei Beispiele von hunderten Mittelständlern, die etwas anders, “grüner”, sozialer und nachhaltiger machen wollen als andere.

Was macht den Erfolg des Mittelstands noch aus?

Nachhaltigkeit Erfolg Mittelstand

Ein in vielfacher Bedeutung nachhaltiges Nischenprodukt, die langfristige Erarbeitung des Erfolgs, die stabile strategische Perspektive, oft über die Generationen einer Familiendynastie hinweg. Fragt man in den Vorstandszimmern von Mittelständlern nach, bestätigt sich diese typisch mittelständische Formel ein um das andere Mal. Ist es Zufall, wenn eine Traditionsfirma wie Kärcher – mit 13.000 Mitarbeitern eher ein Schwergewicht der Mittelständler – Ende 2019 zu den drei nachhaltigsten Unternehmen Deutschlands gekürt wird?

Ich pflege langfristige Strategien. Das geht nur, wenn ich weiß, dass die Gesellschafter auch in zehn Jahren noch dieselben sind."
Hartmut Jenner, Chef der Alfred Kärcher SE & Co. KG. – weltbekannt für seine automatisierten Reinigungsgeräte – und seit fast zwanzig Jahren “angestellter Unternehmer”.

Das Privileg des familiären Weitblicks verhindert schroffe Brüche bei Strategie, Kultur und Innovationskraft. “Die Familie erwartet, dass wir Ergebnisse liefern. Das geht nur, wenn wir auf allen Ebenen Nähe und Verständigung pflegen. Vertrauen ist schließlich auch unsere wichtigste Währung beim Kunden”, berichten etwa die Cousins Felix und Jens Fiege vom gleichnamigen mittelständischen Logistikdienstleister in Greven bei Münster.

Als eine Art erweiterte Unternehmerfamilien sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter essentieller Teil der nachhaltigen Bewirtschaftung mittelständischer Unternehmen — und natürlich ein Erfolgsfaktor.

Nachhaltigkeit braucht Persönlichkeit

Schon rein physisch können sich ManagerInnen und MitarbeiterInnen in kleinen und mittelgroßen Firmen nicht aus dem Weg gehen. Man muss deshalb miteinander können, muss sich respektieren und ein gemeinsames Verständnis von Firmenerfolg und dem Weg dorthin haben. "Daher rührt das in der Regel hohe Verantwortungsgefühl auf beiden Seiten — von Belegschaft und Führung — für den Standort und das Unternehmen bei Mittelständlern. Häufig arbeiten ja auch schon beide in der x-ten Generation in der Firma. Da entsteht Verbundenheit. Und das begünstigt Nachhaltigkeit ganz eindeutig. Und das ist anders, wenn ich in einer Konzernzentrale sitze und keinen Kontakt zu meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern habe", sagt Mittelstandsexperte Petersen.

Alles Mittelstand, oder was?

Nachhaltigkeit

Einen Wald beleben in Westeuropa um die 5000 Arten von Mikroben, Käfer, Kleintiere, Pilze, Moose und Pflanzen. Damit im produktiven Mittelstand aus dieser typischen Symbiose aus Ideen, Initiativen, Solidarität, Verbundenheit und Ethos keine monokulturellen Plantagen werden, müssen immer wieder findige Unternehmerpersönlichkeiten ans Werk gehen — mit Weitblick, Langmut, Besessenheit und Konstanz. Kein Wunder, dass das Schlagwort Nachhaltigkeit tatsächlich der Forstwirtschaft entstammt — schon vor 200 Jahren geprägt. Nicht viel später wurden viele heute noch erfolgreiche Mittelständler in Deutschland gegründet.

Weitere Informationen zu Nachhaltigkeit im Mittelstand: