
Erbfall.
Die 10 größten Fehler beim Vererben – und wie Sie Erbstreit, Steuern und Vermögensverluste vermeiden.
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten:
Liegt im Erbfall ein Testament vor, ist das schon die halbe Miete. Doch auch mit Testament können Fehler passieren – mit teilweise weitreichenden Folgen für Familie und Vermögen.
Unklare Regelungen, fehlende Nachfolgeplanung oder vermeidbare steuerliche Nachteile führen häufig zu Streitigkeiten, Missverständnissen und finanziellen Verlusten. Mit einer frühzeitigen Planung lassen sich viele dieser Risiken vermeiden.
„Wer ein Leben lang viel dafür tut, sein Vermögen aufzubauen, sollte beim Vererben mindestens genauso akribisch sein“, sagt Dr. Andreas Miehler, Fachanwalt für Erbrecht in München. „Schließlich geht es um das ganze Vermögen und somit um das Lebenswerk des:der Erblasser:in.“
Welche Fehler besonders häufig vorkommen und worauf Sie achten sollten, erfahren Sie in den folgenden zehn Punkten.
Fehler 1: Keine Nachfolgeplanung haben.
Viele Menschen gehen davon aus, dass die gesetzliche Erbfolge ihre Wünsche automatisch abbildet. Tatsächlich entspricht die gesetzliche Regelung jedoch oft nicht der persönlichen oder familiären Situation.
Wer frühzeitig keine Entscheidungen trifft, riskiert Unsicherheit, Streitigkeiten und unerwünschte Vermögensverteilungen.
So vermeiden Sie diesen Fehler:
- Frühzeitig mit der Nachfolgeplanung beginnen
- Familiäre und finanzielle Ziele definieren
- Testament und Vollmachten rechtzeitig erstellen
- Komplexe Vermögensstrukturen professionell prüfen lassen

"Wer ein Leben lang viel dafür tut, sein Vermögen aufzubauen, sollte beim Vererben mindestens genauso akribisch sein."
Fachanwalt für Erbrecht in München
mehrjährige Erfahrung mit Schwerpunkt Vermögensnachfolge, berät Unternehmerfamilien und Privatpersonen
Fehler 2: Unklare Formulierungen im Testament.
Viele Testamente scheitern nicht an fehlendem guten Willen, sondern an unklaren Formulierungen. Schon kleine sprachliche Ungenauigkeiten können dazu führen, dass Erb:innen den letzten Willen unterschiedlich interpretieren. Im schlimmsten Fall entstehen langwierige Streitigkeiten oder gerichtliche Auseinandersetzungen.
Beispiel: "Meine Immobilie soll später meiner Tochter gehören."
Bleibt offen:
- Sofort oder erst später?
- Allein oder gemeinsam mit Geschwistern?
- Als Erbin oder als Vermächtnisnehmerin?
So vermeiden Sie diesen Fehler:
- Klare Formulierungen verwenden
- Erbrechtliche Begriffe korrekt einsetzen
- Testament anwaltlich oder notariell prüfen lassen
- Testament sicher und auffindbar verwahren (Am besten nicht nur zu Hause)
Fehler 3: Das Testament jahrelang nicht aktualisieren.
Familien verändern sich. Vermögen verändert sich ebenfalls. Heirat, Scheidung, Geburt von Kindern oder Enkeln, Immobilienkäufe oder Unternehmensbeteiligungen können dazu führen, dass ein früherer Nachfolgeplan nicht mehr zur aktuellen Lebenssituation passt.
Ein Testament sollte regelmäßig überprüft werden – insbesondere nach größeren Lebensereignissen.
Empfehlung: Alle drei bis fünf Jahre einen Nachfolge-Check durchführen.
Fehler 4: Steuerliche Möglichkeiten ungenutzt lassen.
Wer ausschließlich auf die Vererbung setzt, verschenkt häufig wertvolle Gestaltungsspielräume. Gerade bei größeren Vermögen können frühzeitige Schenkungen dazu beitragen, Freibeträge mehrfach zu nutzen und Vermögen steuerlich effizient an die nächste Generation weiterzugeben. Viele Familien beschäftigen sich mit diesem Thema erst, wenn es bereits zu spät ist.
So vermeiden Sie diesen Fehler:
- Schenkungen rechtzeitig prüfen
- Freibeträge strategisch nutzen
- Immobilien und Kapitalvermögen gesondert betrachten
- Steuerliche Auswirkungen frühzeitig berechnen
Was Sie sonst noch zum Thema Erbsachstssteuer beachten sollten, haben wir hier für Sie zusammengefasst.
Fehler 5: Familiäre Konflikte über das Testament austragen.
Manche Menschen nutzen ihr Testament, um langjährige familiäre Konflikte nachträglich auszutragen oder bestimmte Angehörige zu bestrafen. Das erhöht jedoch häufig das Risiko von Streitigkeiten und Anfechtungen im Erbfall.
Nicht jede Entscheidung muss innerhalb der Familie erklärt werden. Dennoch kann es sinnvoll sein, wichtige Regelungen frühzeitig anzusprechen, um Missverständnisse und Enttäuschungen zu vermeiden.
So vermeiden Sie diesen Fehler:
- Konflikte möglichst zu Lebzeiten klären
- Entscheidungen nachvollziehbar dokumentieren
- Wichtige Regelungen frühzeitig kommunizieren
- Bei komplexen Familienkonstellationen professionelle Beratung nutzen
Fehler 6: Keine Vorsorgevollmachten und Notfallregelungen treffen.
Viele Menschen konzentrieren sich ausschließlich auf den Todesfall. Mindestens genauso wichtig ist jedoch die Frage: Wer darf Entscheidungen treffen, wenn Sie selbst dazu vorübergehend oder dauerhaft nicht mehr in der Lage sind?
Ohne entsprechende Vollmachten können Angehörige oft nicht automatisch handeln. Dazu gehören insbesondere:
- Vorsorgevollmacht
- Patientenverfügung
- Betreuungsverfügung
- Notfall- und Vorsorgemappe
Wer diese Dokumente nicht vorbereitet, erschwert Angehörigen wichtige Entscheidungen erheblich.
Fehler 7: Schulden und finanzielle Verpflichtungen verschweigen.
Zur Erbschaft gehören nicht nur Vermögen, sondern auch Verbindlichkeiten. Offene Kredite, Bürgschaften oder sonstige Verpflichtungen können die Nachlassabwicklung erheblich erschweren.
Je transparenter die finanzielle Situation dokumentiert ist, desto leichter können Erb:innen die richtigen Entscheidungen treffen.Transparenz schützt Angehörige vor unangenehmen Überraschungen.

Merkliste: Das gehört in eine Notfallmappe.
Fehler 8: Pflichtteilsrechte unterschätzen.
Viele Menschen glauben, nahe Angehörige könnten durch einen einfachen Satz im Testament vollständig vom Erbe ausgeschlossen werden. So einfach ist das jedoch nicht.
Kinder und Ehepartner:innen haben in vielen Fällen einen gesetzlichen Pflichtteilsanspruch. Werden diese Rechte bei der Nachfolgeplanung nicht berücksichtigt, entstehen häufig Streitigkeiten und finanzielle Belastungen für die Erbengemeinschaft.
Eine gute Nachfolgeplanung berücksichtigt deshalb immer auch mögliche Pflichtteilsansprüche.
Fehler 9: Vermögenswerte und wichtige Unterlagen nicht dokumentieren.
Werden Konten, Depots, Versicherungen, Immobilien oder andere Vermögenswerte nicht zentral erfasst, kann die Nachlassabwicklung für Angehörige erheblich erschwert werden. Nicht selten wissen Erb:innen nach einem Todesfall gar nicht, welche Vermögenswerte vorhanden sind oder an welchen Stellen wichtige Unterlagen aufbewahrt werden.
Besonders bei mehreren Bankverbindungen, Immobilien oder Kapitalanlagen kann dies zu Verzögerungen und unnötigem Aufwand führen.
So vermeiden Sie diesen Fehler:
- Vermögenswerte zentral dokumentieren
- Konten, Depots und Versicherungen erfassen
- Immobilien- und Darlehensunterlagen hinterlegen
- Wichtige Ansprechpartner festhalten
- Informationen regelmäßig aktualisieren
- Notfall- und Vorsorgemappe anlegen
Fehler 10: Den digitalen Nachlass vergessen.
Neben Immobilien und Bankkonten gehören heute auch digitale Vermögenswerte zum Nachlass. Dazu zählen beispielsweise:
- Online-Banking-Zugänge
- PayPal-Konten
- E-Mail-Konten
- Cloud-Speicher
- Social-Media-Profile
- Kryptowährungen
Fehlen hier Informationen oder Zugänge, können Vermögenswerte verloren gehen oder wichtige Daten dauerhaft unzugänglich sein. Deshalb sollten digitale Vermögenswerte ausdrücklich dokumentiert werden. Mehr zum Thema haben wir auf dieser Seite Digitales Erbe für Sie zusammengestellt.
Fragen und Antworten.
Viele Menschen verbinden das Thema Vererben mit einem hohen Alter. Tatsächlich kann es jedoch sinnvoll sein, sich bereits im Erwachsenenalter mit der eigenen Nachfolge auseinanderzusetzen. Lebensereignisse wie Heirat, die Geburt von Kindern, der Erwerb einer Immobilie oder der Aufbau eines Vermögens sind häufig gute Anlässe, erste Regelungen zu treffen.
Liegt kein Testament vor, greift die gesetzliche Erbfolge. In diesem Fall bestimmt das Gesetz, wer welche Anteile am Nachlass erhält.
Diese Verteilung entspricht jedoch nicht immer den persönlichen Wünschen des Erblassers oder der Erblasserin. Besonders bei Patchwork-Familien, unverheirateten Paaren, Immobilienbesitz oder größeren Vermögen kann eine individuelle Regelung sinnvoll sein.
Der Pflichtteil ist ein gesetzlich geschützter Mindestanspruch naher Angehöriger. Er besteht in vielen Fällen auch dann, wenn eine Person durch Testament von der Erbschaft ausgeschlossen wurde.
Die Höhe des Pflichtteils hängt von der jeweiligen Familienkonstellation und dem gesetzlichen Erbanspruch ab.
Nicht jede Einzelheit muss offengelegt werden. In vielen Fällen kann ein offenes Gespräch jedoch helfen, Missverständnisse oder spätere Konflikte zu vermeiden.
Insbesondere bei größeren Vermögen, Immobilien oder unterschiedlichen Begünstigungen einzelner Familienmitglieder kann Transparenz zur Entlastung aller Beteiligten beitragen.
Ein Testament sollte so verwahrt werden, dass es im Erbfall sicher gefunden und berücksichtigt werden kann. Eine ungeeignete Aufbewahrung zu Hause birgt das Risiko, dass das Dokument verloren geht oder nicht rechtzeitig aufgefunden wird.
Je nach individueller Situation können eine notarielle Verwahrung oder eine amtliche Hinterlegung in Betracht gezogen werden.



