Risk Barometer

Haben Sie die wichtigsten Geschäftsrisiken im Blick?

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten:
Geschäftsrisiken wandeln sich genauso schnell wie die globalisierte Wirtschaft als Ganzes. Haben Sie noch alle Gefahren für Ihr Unternehmen im Blick? Wir stellen die aktuell wichtigsten Geschäftsrisiken vor.

Technologischer Fortschritt und gesellschaftliche Entwicklungen verändern nicht nur Geschäftsmodelle, sondern auch Geschäftsrisiken. Unternehmen sollten deshalb immer wieder kritisch hinterfragen, ob die eigene Einschätzung des Gefahrenpotenzials noch auf der Höhe der Zeit ist.

Das Allianz Risk Barometer ist eine gute Möglichkeit, um die Wahrnehmung des eigenen Gefährdungspotenzials mit der Einschätzung anderer Unternehmen abzugleichen. Der Bericht, den der Allianz Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) in diesem Jahr bereits zum achten Mal herausgegeben hat, beruht auf der Befragung von knapp 2.500 Risiko-Experten aus 86 Ländern.

Jens Krickhahn

„Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, an dem Cyberattacken für Unternehmen genauso wichtig sind wie die traditionellen Geschäftsrisiken.“

Jens Krickhahn
Practice Leader Cyber & Fidelity, Financial Lines, bei der Allianz Global Corporate & Speciality (AGCS)

Da das Risk Barometer jährlich aktualisiert wird, zeigt es plastisch, wie sich die Gewichte bei den Geschäftsrisiken verschieben. Den größten Sprung nach vorne machten in den vergangenen Jahren die Cyberrisiken. Laut dem Risk Barometer 2019 gehören Cybervorfälle gemeinsam mit Betriebsunterbrechungen zu den größten Geschäftsrisiken weltweit. Erstmals in den Top Ten vertreten ist der Fachkräftemangel.

Die zehn größten Geschäftsrisiken weltweit für 2019:

Deutschland: Sorge vor Betriebsunterbrechungen, Cyberattacken und Handelskonflikten.

Die Sicht auf die zwei bedeutendsten Geschäftsrisiken in Deutschland entspricht der weltweiten Risikoeinschätzung: An erster Stelle steht in Deutschland weiterhin das Risiko einer Betriebsunterbrechung (48 Prozent), knapp vor dem Risiko eines Cybervorfalls (44 Prozent). Die größte Veränderung in Deutschland ist die wachsende Sorge vor politischen Veränderungen in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen, hervorgerufen zum Beispiel durch Handelskonflikte, Zölle, Wirtschaftssanktionen oder den Brexit.

Diese Risiken nehmen 2019 erstmals Platz drei im deutschen Ranking des Allianz Risk Barometers ein. 35 Prozent aller Befragten äußerten diese Sorge, ein Plus von 9 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Risiken, die von neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz oder Autonomen Fahren ausgehen, sind ein weiterer großer Aufsteiger in Deutschland und erreichen erstmals Platz 5 (20 Prozent) gegenüber Platz 7 im Vorjahr.

Klara Kerler beobachtet diese Verschiebungen in der Risikoeinschätzung aufmerksam. Sie ist Expertin im Star Team der HVB , das sich auf die ganzheitliche Beratung von mittelständischen Unternehmen spezialisiert hat: „ Wir unterstützen unsere Kunden dabei, wie sie bestehende Risiken unternehmerisch minimieren können.“

Jens Krickhahn
„Wir unterstützen unsere Kunden dabei, wie sie bestehende Risiken unternehmerisch minimieren können.“
Klara Kerler,
Expertin im Star Team der HypoVereinsbank

Die Berater des HVB Star Teams  bewerten die Strategien der Unternehmen, mit denen sie potenzielle Gefahren abfedern und erarbeiten Optimierungsvorschläge. Das kann eine Vielzahl unterschiedlicher Ebenen betreffen, von Investitionen in IT-Sicherheit bis zur Gestaltung der Lieferketten.

„Jedes Unternehmen ist anders. Der eine benötigt vielleicht Unterstützung bei der Absicherung von Währungsrisiken , ein anderer fürchtet, künftig nicht genügend geeignetes Personal zu finden“, berichtet Kerler aus der Praxis. „Cyberrisiken rücken aber bei ganz vielen Unternehmen immer mehr ins Zentrum des Risikomanagements.“

Die wichtigsten Geschäftsrisiken für deutsche Unternehmen:

Die wichtigsten Geschäftsrisiken in Deutschland im Überblick:

Rang 2019
  1. 1

  2. 2

  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7. 7
  8. 8
  9. 9
  10. 10
Geschäftsrisiko
  1. Betriebsunterbrechung (inkl. Lieferketten-Unterbrechung)
  2. Cyber-Vorfällte (z.B. Cyberkriminalität, IT-Ausfälle)
  3. Rechtliche Veränderungen (z.B. Handelskriege und Zölle)
  4. Naturkatastrophen (z.B. Sturm, Überschwemmung)
  5. Neue Technologien (z.B. Künstliche Intelligenz, Blockchain)

  6. Feuer, Explosion
  7. Produktrückruf, Qualitätsmängel, Serienfehler
  8. Marktentwicklungen (z.B. Volatilität, M&A)*
  9. Reputationsverlust oder Beeinträchtigung des Markenwerts
  10. Makroökon. Entwicklungen (z.B. Sparprogramme, Inflation)
Prozent
  1. 48%

  2. 44%

  3. 35%

  4. 28%

  5. 20%

  6. 19%

  7. 17%

  8. 17%

  9. 13%

  10. 9%

Rang 2018
  1. 1 (55%)

  2. 2 (51%)

  3. 4 (24%)

  4. 3 (27%)

  5. 7 (17%)

  6. 5 (22%)

  7. 7 (17%)

  8. 6 (18%)

  9. 9 (12%)

  10. 10 (10%)

Trend
  1. gleich

  2. gleich

  3. steigend

  4. fallend

  5. steigend

  6. fallend

  7. gleich

  8. fallend

  9. gleich

  10. gleich

Platz 1: Betriebsunterbrechungen – der Dauerbrenner unter den Risiken

Es ist der Alptraum jedes Unternehmers: Die Produktion steht ungeplant still, zum Beispiel wegen eines Brands, einer defekten Maschine oder wegen der Probleme eines Lieferanten. Die fortlaufenden Kosten wie Löhne und Gehälter fallen weiterhin an, die Erlöse stocken aber und es drohen Vertragsstrafen, weil Lieferzeiten nicht mehr eingehalten werden können, Schnell kann die Existenz des ganzen Unternehmens auf dem Spiel stehen. Kein Wunder also, dass fast die Hälfte der befragten Experten in Deutschland das Risiko einer Betriebsunterbrechung für hoch hält (48 Prozent).

Die Auslöser von Betriebsunterbrechungen werden immer vielfältiger und komplexer. Besonders auffällig ist, dass Cyber- und Betriebsunterbrechungsrisiken zunehmend miteinander verknüpft sind. So sind Cybervorfälle laut Risk Barometer der am meisten gefürchtete Auslöser von Betriebsunterbrechungen (50 Prozent der Antworten), gefolgt von Feuer/Explosion (40 Prozent) und Naturkatastrophen (38 Prozent).

Platz 2: Cyberattacken – der Risikoaufsteiger

Die zunehmende Besorgnis über Cybervorfälle folgt auf ein Jahr mit zahlreichen Datenskandalen, Hackerangriffen und IT-Pannen. Und die immer stärkere Vernetzung von Maschinen, Geräten und Lieferketten unter dem Stichwort „Internet der Dinge“ birgt zusätzliche Gefahren. Cyberkriminalität kostet schon heute weltweit schätzungsweise 520 Milliarden Euro pro Jahr, das ist ein Anstieg von über einem Drittel gegenüber 2014 (Quelle: Center for Strategic and International Studies). Zum Vergleich: Der wirtschaftliche Schaden von Naturkatastrophen belief sich in den vergangen zehn Jahren auf durchschnittlich 180 Milliarden Euro pro Jahr.

Immer häufiger machen Cyber-Attacken Schlagzeilen. Besonders stark nahm in den letzten Jahren der Einsatz so genannter Erpressungssoftware zu. Wird ein Rechner infiziert, verschlüsselt die Software die Daten auf dem Computer und die Hintermänner verlangen ein Lösegeld, bevor sie die Daten wieder freigeben. Wie drastisch die Folgen eines solchen Cyber-Angriffs auf Unternehmen sein können, zeigt die Krauss Maffei Group mit weltweit mehr als 5000 Mitarbeitern. Im November 2018 wurde das Maschinenbauunternehmen aus München Opfer eines schweren Cyberangriffs. Mehrere Wochen konnte Krauss Maffei an mehreren Standorten nur mit gedrosselter Leistung produzieren, weil viele Rechner aufgrund einer Trojaner-Attacke lahmgelegt waren.

Platz 3: Handelskonflikte & Co. – Risikofaktor Außen- und Handelspolitik

Viele Risikoexperten aus der Exportnation Deutschland sorgen sich zunehmend über politische Veränderungen im Wirtschaftsumfeld. Der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China, steigende Zölle und Wirtschaftssanktionen (Russland, Iran) belasten den Außenhandel. Im Jahr 2019 zeichnen sich weitere Risiken ab, unter anderem durch die anstehenden Wahlen in Europa, geringere Wachstumsaussichten für die Eurozone und die USA sowie durch die Unsicherheiten rund um den Brexit.

Neu unter den Top 10 weltweit: Risiko Fachkräftemangel

Die ungewöhnlich lange Wachstumsphase der deutschen Wirtschaft seit 2010 macht qualifizierte Fachkräfte zur Mangelware. Unternehmen drohen dadurch lukrative Geschäfte verloren zu gehen oder Aufträge können nicht in der vereinbarten Zeit oder Qualität abgeschlossen werden – mit entsprechend negativen Konsequenzen für den Ruf und die Liquidität.

Im Unterschied zum weltweiten Ranking des Allianz Risk Barometers hat es der Fachkräftemangel in Deutschland zwar noch nicht in die Top 10 der Geschäftsrisiken geschafft. Doch das ist vermutlich nur noch eine Frage der Zeit, besonders angesichts der mittelständischen Struktur der deutschen Wirtschaft. Weltweit betrachtet schätzen kleinere Betriebe mit einem Umsatz von weniger als 250 Millionen Euro das Risiko des Fachkräftemangels deutlich schwerwiegender ein als Großkonzerne.

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