Erben und Vererben, Testament, Vermächtnis & Co: So regeln Sie Ihre Nachfolge

Erben und Vererben

Testament, Vermächtnis & Co: So regeln Sie Ihre Nachfolge.

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten:
Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Erbe und einem Vermächtnis? Oder was sinnvollerweise in eine Notfallmappe gehört?

Bei der Vermögensnachfolge gibt es kein Patentrezept. Das Testament sollte individuell zugeschnitten sein. Das müssen Sie über Erbe und Vermächtnis wissen.

Was muss ich tun, um meine Vermögensnachfolge so gut wie möglich zu regeln? Ein Patentrezept oder eine Mustervorlage, an die sich die Erblasser halten können, gibt es nicht. Im Gegenteil: Es wäre sogar fahrlässig, nach Schema F vorzugehen und bei anderen Testamenten Passagen abzuschreiben – etwa aus dem Internet.

„Viele merken dabei nicht, dass es für ihren Fall überhaupt nicht passt“, sagt Dr. Thomas Wachter, Notar in München. Der Experte warnt zudem davor, sich auf allgemeine Literatur wie Erbrechtratgeber zu verlassen: „Das  Testament muss maßgeschneidert  und auf die individuellen Familien- und Vermögensverhältnisse abgestimmt sein.“

Rolle des Testamentsvollstreckers

Manchmal bietet es sich an, einen Testamentsvollstrecker einzusetzen, der den letzten Willen des Erblassers nach dem Todesfall umsetzt. Etwa dann, wenn junge Erben noch minderjährig oder kaufmännisch unerfahren sind. Der Testamentsvollstrecker gehört typischerweise dem Familienkreis an. Es können zudem Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer aus dem Familienumfeld oder auch juristische Personen in Frage kommen.

Dr. Thomas Wachter Notar in München
"Der Testamentsvollstrecker soll eine möglichst neutrale Rolle einnehmen und helfen, Streit unter den Erben zu vermeiden.“
Dr. Thomas Wachter
Notar in München

Testamentsvollstrecker werden zumeist für ihre Tätigkeit entlohnt. Fehlt eine konkrete letztwillige Anordnung des Erblassers zur Höhe der Vergütung für den Testamentsvollstrecker, werden im Streitfall von der Rechtsprechung zur Bestimmung der angemessenen Vergütung überwiegend Tabellen herangezogen, nach denen sich das Honorar prozentual am Bruttonachlass orientiert.

Der eingesetzte Testamentsvollstrecker sollte möglichst unabhängig und auch jünger als der Erblasser sein, um die Wahrscheinlichkeit zu minimieren, dass er vor dem Erblasser stirbt.

Die gesetzliche Erbfolge (1)

Die gesetzliche Erbfolge, wenn kein Testament vorliegt

Die gesetzliche Erbfolge - Erben 1. Ordnung
Die gesetzliche Erbfolge - Erben 2. Ordnung
Die gesetzliche Erbfolge - Erben 3. Ordnung


Erbe und Vermächtnis

Über die Details, die die Regelung der Nachfolge mit sich bringt, sollten sich potenzielle Erblasser genau informieren. So ist es zum Beispiel ratsam zu wissen, was ein Erbe von einem Vermächtnis unterscheidet:

  • Ein Erbe bekommt grundsätzlich alles. Gibt es mehr als einen Erben, wird der Nachlass unter ihnen aufgeteilt.
  • Der Vermächtnisnehmer erhält hingegen einzelne Gegenstände. Dies kann zum Beispiel ein Grundstück, eine Immobilie oder auch eine Briefmarkensammlung sein. Beim Vermächtnis müssen Erblasser also extra Listen mit den Dingen erstellen, die sie an bestimmte Personen vermachen wollen.

„Wichtig ist, dass in jedem Testament geregelt ist, wer Erbe ist. In vielen privatschriftlichen Testamenten ist dies übrigens nicht der Fall“, sagt Dr. Wachter. Jedes Testament sollte daher mit dem Satz beginnen, welche Person(en) man als Erbe(n) einsetzt.

Dr. Wachter: „Mit anderen Worten: Kein Testament ohne Erbeinsetzung.“

Die gesetzliche Erbfolge (2)

Welchen Anteil des Vermögens der Ehe- oder eingetragene Lebenspartner erbt, hängt ab vom Güterstand. Wurde kein Ehevertrag geschlossen, gilt der gesetzliche Güterstand – die Zugewinngemeinschaft.

Zugewinngemeinschaft

Der gesetzliche Güterstand, sollten die Partner nichts anderes vereinbaren. Jeder Ehegatte verwaltet das Vermögen, welches er mit in die Ehe gebracht hatte. Bei Tod eines Partners oder Scheidung kommt es zum Zugewinnausgleich.

Die gesetzliche Erbfolge - Zugewinngemeinschaft

Gütertrennung

Jeder Ehepartner behält sein Vermögen während der Ehe. Ein Vermögensausgleich findet bei einer Scheidung nicht statt. Eine entsprechende Vereinbarung muss notariell beurkundet werden. Kein Zugewinnausgleich bei Tod eines Partners.

Die gesetzliche Erbfolge - Gütertrennung

Gütergemeinschaft

Mit Abschluss eines entsprechenden Ehevertrages geben die Ehepartner ihr individuelles Vermögen auf; es wird Gesamtgut der Ehepartner.

Die gesetzliche Erbfolge - Gütergemeinschaft


Mappe für den Notfall

Neben dem Testament empfiehlt es sich unbedingt eine Notfallmappe – sprich einen Ordner – zusammenzustellen. Dort werden Informationen festgehalten, die für Familienmitglieder nach dem Tod ihres Angehörigen wichtig sind. Zur Mappe gehören:

  • Sämtliche persönliche Daten sowie Unterlagen wie Kopien von Personalausweis und Geburtsurkunde, Heiratsurkunde, Scheidungsurteile oder Adoptionsdokumente.
  • Adressen, Telefonnummern, Pins oder sonstige Codewörter, auch für den digitalen Nachlass
  • Kopien für Konto- und Vorsorgevollmachten sowie Testamente und Eheverträge

„Vertrauenspersonen sollten im Ernstfall schnell und unbürokratisch auf die Daten zugreifen können“, sagt Dr. Wachter. Darüber hinaus rät der Experte, wichtige Vermögenswerte und die dazugehörigen Ansprechpartner wie Vermögensverwalter oder Bank im Einzelnen aufzulisten.

Das gehört in eine Notfallmappe

Merkliste: Das gehört in eine Notfallmappe

Mit der HVB Notfallmappe hinterlassen Sie Ihren Angehörigen ein wertvolles Hilfsinstrument, um sich in einer Notsituation rasch und unkompliziert einen Überblick über Ihre Vermögens­verhältnisse sowie in diesem Zu­sammenhang kurzfristig zu treffende Entscheidungen zu verschaffen.

Ziel der HVB Notfallmappe ist es, die Belastung durch die Nachlassabwicklung so gering wie möglich zu halten. Sie dient ferner als Nachschlagewerk, Informations­speicher und Leitfaden, wer im Ernstfall zu informieren ist und welche Unterlagen dazu erforderlich sein können.

Die Notfallmappe ist wie folgt gegliedert:

  • Allgemeines und persönliche Daten
  • Regelungsbedarf im Todesfall
  • Versicherungen
  • Verbindungen zu Geldinstituten
  • Immobilienstatus
  • Beteiligungen und Fonds
  • Sonstige Vermögensgegenstände
  • Bürgschaften
  • Sonstiger Regelungsbedarf
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