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Das war der MünchnerStiftungsFrühling vom 24. - 30. März 2017


Rückblick auf Deutschlands größte Stiftungswoche

10 Dinge, die Stiftungen jetzt in der Kapitalanlage beachten sollten:
  • Robert Schraudner, HypoVereinsbank Private Banking & Wealth Management, Leiter Stiftungen und Advisory
  • Tobias Karow, Rödl & Partner, Team Wealth, Risk & Compliance, Leiter Stiftungen & Strategie 4.0
  • Sandra Bührke, HypoVereinsbank Private Banking & Wealth Management, Direktorin Stiftungsmanagement
  • Alexander Etterer, Partner Rödl & Partner, Leiter Team Wealth, Risk & Compliance

 

1.

"Als Basis für die tägliche Stiftungsarbeit ist eine Bestandsaufnahme verpflichtend. Nur wenn die einzelnen Bausteine bekannt sind, kann die eigentliche Ausstattung des Hauses erfolgen. Vor der eigentlichen Arbeit ist vom Stiftungsorgan u.a. zu prüfen: Welche Vermögenswerte besitzt die Stiftung?; Sind Besonderheiten (z. B. Sanierungsbedarf bei Immobilien) oder Vorgaben (bspw. Auflagen des Stifters) zu beachten?; Und natürlich, welchen Rahmen hat der Stifter bei Stiftungsgründung mit auf den Weg gegeben?"

2.

"Gute Stiftungsarbeit beginnt mit einer für die Stiftung passenden Strukturierung des Stiftungsvermögens. Und da man dies nicht nur aus dem Bauch heraus entscheiden sollte, ist es wichtig, sich als Organ der Stiftung eine für die Stiftung stimmige Strategie zu überlegen und diese auch unbedingt nieder zu schreiben. Diese Strategie (oft auch als Anlagerichtlinie oder Rahmenrichtlinie bezeichnet) bildet für die handelnden Personen die Basis für die zukünftige Neuanlage oder auch Umstrukturierung der Stiftungsgelder."

3.

"Eine saubere und nachvollziehbare Dokumentation der getroffenen Entscheidungen ist für Sie als Stiftungsorgan unabdingbar. Bei Entscheidungen muss darauf geachtet werden, dass diese im Sinne der Stiftung und auch im Einklang mit der für die Anlage zugrunde gelegten Strategie erfolgt."

4.

"Die Beratung des Finanzdienstleisters kann nur so gut sein wie die Informationen, die Sie als Stiftungsorgan zur Verfügung stellen. Neben der aktuellen Satzung sollten Sie Ihrem Berater auch aktuelle Strategiepapiere (Anlagerichtlinie, Vorstandsbeschlüsse etc.) sowie Strategieveränderungen und natürlich die letzte Jahresrechnung an die Hand geben."

5.

"Für Stiftungen wird es heute immer wichtiger, ihre Anlagerichtlinie regelmäßiger den veränderten Rahmenbedingungen am Kapitalmarkt anzupassen und zukunftsfähig auszurichten. So haben sich beispielsweise im Niedrigzinsumfeld der vergangenen Jahre die Rendite- und Risikostrukturen vieler Stiftungen deutlich verschoben. Durch die fehlenden Zinserträge fehlt ein wichtiger Baustein bei der Planung der Zweckerfüllung. Immer mehr Stiftungen spielen mit dem Gedanken, die Aktienquote deutlich zu erhöhen und durch Dividenden die wichtigen Erträge zu erzielen. Auch rücken immer mehr Alternative Anlageklassen, wie beispielsweise Beteiligungen, Microfinanz, Erneuerbare Energien, Immobilien, etc. in den Fokus der Entscheider. Alles ist heutzutage möglich. Besonders wichtig für die Stiftung und Ihre Entscheider: die mind. quartalsweise Durchführung einer sachgerechten Kontrolle und Überwachung der Kapitalanlage."

6.

"Wenn Stiftungen einen Fonds kaufen, dann empfiehlt es sich, bei der Auswahl auf eine Informationstiefe zu achten, die deutlich mehr liefert als Factsheet, Jahresbericht und KIID. Denn diese Grundinformationen reichen heutzutage nicht mehr aus, um eine fundierte und ausreichend objektivierte Anlageentscheidung zu treffen, die dann auch haftungsseitig unangreifbar ist. Stiftungen sollten diese zusätzliche und für sie notwendige Informationstiefe aktiv beim Fondsanbieter erfragen."

7.

"Was eine sachgerechte Kontrolle und Überwachung in einem Stiftungsdepot bedeutet, darüber kann man streiten. Für uns ist eine sachgerechte Kontrolle und Überwachung regelmäßiges Beschäftigen und Reflektieren der Anlagen bzw. der dahinter liegenden Entscheidungen. Stiftungen müssen sich hier fragen, wie sie ihre Controllingfunktion verbessern können. Unterstützende Instrumente können beispielsweise vertiefende Informationsquellen seitens der Fondsanbieter sein, dazu auch beispielsweise online geführte Risikowarnsysteme, die über "Alert-Funktionen" beim Erreichen bestimmter Kursmarken der gewählten Fonds automatisch informieren. Stiftungen können aber auch professionelle Unterstützung durch einen externen Controller anfordern."

8.

"Stiftungen müssen sich heute aus ihrer Komfortzone lösen, man kann das nicht anders sagen. Es war 30 Jahre relativ einfach, Stiftungsvermögen zu bewirtschaften, diese Zeit ist so gut wie vorüber. Jetzt empfiehlt es sich, die Kapitalanlage in professionelle Hände zu geben - an diskretionär arbeitende Vermögensverwalter oder aber an leistungsfähige Investmentfonds. Besonders Stiftungen mit geringen zeitlichen, fachlichen und personellen Ressourcen schlagen diesen Weg schon länger ein und verlagern sich auf eine regelmäßige Kontrolle der Kapitalanlage. Wichtig ist, den Wechsel des Vermögensmanagers als Prozess zu begreifen, sich vom eigenen Vermögensmanagement zu lösen aber dabei die zentralen Werkzeuge, wie die Entwicklung der Anlagerichtlinie, die Durchführung einer Vermögensausschreibung und die Kontrolle und Überwachung der Kapitalanlage, nicht aus der Hand zu geben."

9.

"Wenn eine 750.000-Euro-Stiftung ihr Vermögen heute neu allokiert, hat sie alle Möglichkeiten, sich einfach ein Fondsportfolio zusammenzustellen, beispielsweise bestehend aus vier oder fünf Fonds. Damit hat sie diversifiziert, über Köpfe, Stile und Assetklassen gestreut und das Spekulationsverbot eingehalten. Ausreichend rentierlich dürften jene Fonds sein, die eine Ausschüttung im Blick haben. Da die Fonds zumeist zu unterschiedlichen Terminen ausschütten, können Fonds sogar einen Beitrag leisten, um das Cash Management der Stiftung zu optimieren. Dazu können sich Stiftungen über Fonds indirekt eine Aktienquote "einkaufen", wenn sie Fonds mit verschieden hohen Aktienquoten selektieren."

10.

"Das Schlimmste ist, dass Verantwortliche in Stiftungen vielerorts kein Gefühl für die Kapitalanlage oder das Management der Kapitalanlage haben. Dieses auszubilden, muss essentieller Bestandteil des Pflichtenkatalogs von Stiftungsverantwortlichen sein. Ein Gefühl zur Kapitalanlage erhalte ich über Informationen, je mehr, desto besser, denn desto tiefer blickt man als Anleger in den Maschinenraum des Vermögensprofis. Stiftungen sollten sich jedoch mit Qualitätssicherungsverfahren auseinandersetzen, die nicht die x-te Performance-Liste zeigen, sondern das Handwerk sichtbar machen. Beim Handwerk spielt der Faktor Glück nämlich keine Rolle, anders als bei der Wertentwicklung."

Die Hauptsponsoren des MüncherStiftungsFrühlings 2017 freuen sich auf Ihren Besuch und wünschen Ihnen anregende Gespräche und eine informative Woche!
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Die digitale Stiftung

Der Mitarbeiter einer Stiftung gibt Daten aus einer Projektbefragung direkt in sein Mobiltelefon ein, die entsprechend programmierte App synchronisiert die Daten sogleich nach der Rückkehr ins Büro mit der Datenbank. Mühsames Eintippen der Daten in eine Exceltabelle entfällt.

 

Kommuniziert wird über Social Media, das Internetangebot ist mehr Blog als klassische Website, Spendenbescheinigungen kommen automatisiert aus dem Rechner, die Kapitalanlage ist via 24/7 look throughs permanent im Blick. Aber ist es das, was Stiftungen brauchen?

 

Stiftungen nehmen - zu Recht - für sich in Anspruch, gesellschaftliche Akteure und Katalysatoren zivilgesellschaftlicher Entwicklungen zu sein. Wollen sie diese Rolle auch künftig nicht nur ausüben sondern auch noch stärker ausfüllen, müssen sie überlegen, sich einem gewissen Wandel zu unterziehen. Denn die künftigen Teilnehmer gesellschaftlicher Prozesse sind ‚digital natives' und wollen auch als solche angesprochen werden. Wie aber können Stiftungen in der Breite digitaler werden, ohne sich selbst in der digitalen Welt zu verlieren? Ist eine professionellere Herangehensweise der Schlüssel zum Erfolg? Es sind Fragen wie diese, die Stiftungen und deren Verantwortliche derzeit in wachsendem Maße umtreiben, auch im Rahmen des MünchnerStiftungsFrühlings. Professioneller wird Stiftungsmanagement ja genau dann, wenn die Rahmenbedingungen bekannt sind, wenn eine Stiftung weiß, wie sie in diesem Rahmen erfolgreich sein kann und mit welchen Instrumenten sie bisher erfolgreich war. Heißt nun der Rahmen Digitalisierung, dann muss eine Stiftung darauf reagieren, sich ggf. wandeln, auf jeden Fall aber ihre Erfolgsparameter der Vergangenheit in die Zukunft überführen. Wandel, das ist es, was sich Stiftungen auf die Fahnen schreiben müssen, woraus aber auch enorme Chancen resultieren.

Digitalisierung ist mehr als Social Media

Denn Digitalisierung heißt eben nicht nur Social Media. "Die Auswirkungen der Digitalisierung auf meine Non-Profit Organisation muss ganzheitlich untersucht werden. Was bedeutet es für meinen Stiftungszweck? Für meine internen und externen Prozesse? Für mich als Führungskraft in Stiftungen?", skizziert Dr. Peter Kreutter, Direktor der Stiftung WHU in Vallendar, die Herausforderungen, die mit neuen Technologien verbunden sind. Antiquierte Prozesse neu zu überdenken, zu automatisieren, um Zeit für die Themen zu schaffen, die wirklichen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen, das ist die Chance, die Digitalisierung auch Stiftungen bietet.

Einige Erfolgsmodelle aus dem angelsächsischen Raum belegen, was das heißt. Digitale Transformation startet, indem Stiftungen ihren Verbündeten zuhören. Im Falle von Stiftungen sind das vor allem Projektpartner und Projektmitarbeiter, aber auch Spender, Mitmacher, Ehrenamtliche, Berater und andere Beziehungsarbeiter. Viele Stiftungen drehen sich heute gerne eher um sich selbst, sollten aber ihren Fokus in Richtung ihrer Stakeholder verändern. Beispiel Spender. Spender werden künftig mehr mobile Angebote auch seitens der Stiftungen verlangen, um zum Beispiel auch mal spontan spenden zu können. Haben Stiftungen da nichts im Angebot, werden sie bei Onlinespenden einfach außen vor gelassen. Game over. Dies ist umso relevanter, als dass Fundraising von immer mehr Stiftungen als Ausweg aus dem Niedrigzinsdilemma gesehen wird, wobei die Frage, wie viele Stiftungen überhaupt erfolgreich fundraisen können, hier außen vor bleibt. Was das für eine Stiftung konkret bedeutet, ist schnell umrissen. Der Spenderbutton ist nicht mehr unten rechts auf der Website zu finden, das Wording zur Spende wird offensiver und selbstbewusster. Der Aufbau einer Community via Newsletter und für Mobilgeräte optimierte Webseiten machen die Kommunikation frequenter, eine Spende wird zu einem niedrigschwelligen Erlebnis.

Auf der Suche nach der 360-Grad-Perspektive

So einfach das klingt: Wichtiger ist, dass Stiftungen Digitalität nicht auf einzelne Bereiche reduzieren, zum Beispiel auf das Thema Spende oder auch Social Media. Social Media ist eine hervorragende Möglichkeit, zu kommunizieren, sich mitzuteilen, sich kostengünstig einen Kreis von Informationsbeziehern, auch Abonnenten, aufzubauen. Social Media macht deshalb aber die Stiftungsarbeit noch nicht besser. Wenn ich jedoch weiß, wie Social Media meine Stiftungsarbeit verbessert, dann kann ich es einsetzen, sonst nicht. Stiftungen, und das hängt mit dem generellen technologischen Rückstand des Sektors zusammen, reduzieren die Digitalisierung auf die Technologie, diese löst jedoch die Probleme des Stiftungssektors nicht. Wohl aber stößt sie Fragen eben nach der Optimierung der eigenen Prozesse an. Dazu muss eine Stiftung sich einmal der 360-Grad-Perspektive stellen, sich fragen, wie sie kommuniziert, wie sie Projekte angeht, wie sie ihr Kapital verwaltet, wie sie evaluiert, wie sie Fundraising betreibt. In vielen Stiftungen scheitert etwa das Fundraising am Adresspool, zumeist existiert keine Datenbank, auf deren Basis ich dann potentielle Spender anspreche. Manche Adresslisten in Stiftungen sind so ungepflegt, dass auch Verstorbene noch angeschrieben werden. Das kann, das muss ein Ansatzpunkt sein. Beim Stichwort Kapitalanlage fallen daneben zum Beispiel immer Stichworte wie Rendite und Diversifikation, Kontrolle kommt meist zu kurz, obwohl diese umso wichtiger ist, um Risiken rechtzeitig erkennen und damit auch managen zu können. Kontrolle braucht belastbare Daten zum Portfolio und zum Leistungsvermögen eines Vermögensmanagers, womit ein weiterer Ansatzpunkt gefunden wäre. So könnten Stiftungen ihre Prozesse zerlegen und sie dann wieder auf neuer Basis zusammensetzen. Daten sind hierbei der strategische Schatz, denn in der digitalen Welt ist ohne Daten alles nichts.

Was macht die tägliche Stiftungsarbeit besser?

Einige Stiftungen stellen sich dem auch bereits. Allerdings ist klar, dass solch ein ganzheitlicher Ansatz eher für größere Stiftungen und gemeinnützige Organisationen gangbar ist. Die klassische mittelgroße Stiftung muss eher kleiner anfangen, aber auch hier lässt sich die digitale Maschine anwerfen. Immer untergeordnet unter die Frage, was meine tägliche Stiftungsarbeit besser macht, könnten responsive Webseiten ein erster Schritt sein. Onlineangebote werden also immer mehr vor allem für Mobilgeräte "gebaut" statt für den klassischen Schreibtisch-PC. Hier integriert sind Wege, Online-Zahlungen abwickeln zu können. Auch das gehört heute zur IT-Infrastruktur, eben nicht nur der schnelle Rechner. Parallel baut eine Stiftung eine Online-Community auf, wobei viele Stiftungen nicht wissen, was das ist. Aber, Stiftungen haben in der Regel bereits Spender, Menschen, die Ihre Idee teilen, die ehrenamtlich mit an Bord sind. Das ist ihre Community, diese abonniert ihren Newsletter oder gibt Ihnen ein LIKE auf Facebook, und schon ist der Anfang gemacht. Diese Community wird auch über Sie erzählen, ihre Vision weitertragen. Wie von selbst kommt die digitale Maschine in Gang. Auch Kooperationen mit NGOs können eine Digitalperspektive kreieren. Die großen NGOs bereiten sich bereits massiv auf den Spender von morgen vor, indem sie alle Kanäle "aufsperren", die der Spender von morgen auch nutzen wird. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund wichtiger, dass Stiftungen selbst ihrem Förderauftrag auf der Projektseite durch den Niedrigzins immer weniger nachkommen können. Apropos Projekte. Auch hier kann Digitalisierung die tägliche Arbeit nachhaltig verändern. Mussten Kinder früher direkt befragt, die Ergebnisse händisch aufgenommen und in eine Übersicht übertragen werden, kann dies heute via App passieren. Vor Ort werden Daten in das Mobiltelefon getippt, egal ob das Mobilfunknetz verfügbar ist oder nicht. Im Büro dann synchronisiert sich das Mobilgerät automatisch mit der Datenbank. Das leistet Transparenz und die Möglichkeit, Daten jederzeit in verschiedenster Form aufzubereiten. Derlei sollten Stiftungen anstoßen, nicht lediglich die Frage, ob sie einen Facebook-Kanal brauchen oder nicht.

6 Tipps für digitale Bausteine in einer Stiftung

  1. Prüfen Sie ihre Datenbasis auf Güte, Breite und Tiefe. Ohne Datenbank keine Digitalität, und eine Datenbank schließt auch Projekte mit ein, die darüber kontrolliert und evaluiert werden können.
  2. Werden Sie multi-kanal. Reichern Sie Ihre Webseite um Inhalte in Wort, Text, Bild, Bewegt Bild und Erklärformate an.
  3. Legen Sie einen Newsletter an, um Unterstützer für sie zu begeistern und an ihre Botschaften zu gewöhnen.
  4. Bauen Sie eine Webseite für Mobilgeräte. Das Netz wird vom Netz der Webseiten zum Netz der Mobilgeräte. Darauf muss auch eine Stiftung vorbereitet sein.
  5. Bauen Sie einen Presseverteiler auf, vor allem mit regionalen Ansprechpartnern in den Redaktionen - vergessen Sie aber die Redaktionen der Fachpublikationen nicht.
  6. Verzetteln Sie sich nicht mit der Infrastruktur. Moderne Softwareanwendungen liegen in einer Cloud, werden auf monatlicher Basis passgenau gemietet und minimieren die Kosten für Infrastruktur, die eine Stiftung vorhalten muss.

 

Fazit

Digitalisierung ist keine eierlegende Wollmilchsau und Digitalisierung darf nicht der Digitalisierung Willen vorangetrieben werden. Sie ist aber eine Chance, dass Stiftungen sich neu erfinden. Damit Stiftungen die damit verbundenen Möglichkeiten nutzen können, müssen sie sich jedoch in die Tiefen ihrer Prozesse begeben und sich fragen, wo digitale Bausteine ihre tägliche Stiftungsarbeit besser machen können. Die Antwort darauf sind nicht Social Media oder eine Website, nein. Die Antwort ist weit umfangreicher. Es ist eine, die Stiftungen eine neue Geisteshaltung durch innere Erneuerung verschafft und durch die Stiftungen umso kraftvoller nach außen wirken können. Ob jede einzelne Stiftung das braucht? Vielleicht nicht, wohl aber der Sektor als Ganzes.

Hinweis: Die Digitale Stiftung ist auch der Titel des Workshop-Cafés, das Rödl & Partner und die HypoVereinsbank im Rahmen des MünchnerStiftungsFrühlings am 24.03.2017 in der BMW-Welt (Business Center 1B) ausrichten.

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Wissenswertes rund um den MünchnerStiftungsFrühling
 

Rund um den MünchnerStiftungsFrühling gibt es jede Menge zu wissen. Wann gab es die ersten Überlegungen zu einer stadtübergreifenden Stiftungsveranstaltung? Wie viele Programmpunkte gibt es und wer besucht diese? Das alles sind spannende Fakten und Geschichten.

 

In der folgenden Galerie der Erklärgrafiken rund um den MünchnerStiftungsFrühling sind spannende, interessante und auch erheiternde Gedanken zusammengetragen. Lassen Sie sich inspirieren von der Welt des #msf2017.


Der MünchnerStiftungsFrühling 2017 erklärt in 60 Sekunden

Die Idee hinter dem MünchnerStiftungsFrühling ist es, für bürgerschaftliches Engagement in der Stadt München eine Plattform zum fachlichen Austausch und zur individuellen Inspiration zur Verfügung zu stellen.

Der MünchnerStiftungsFrühling findet 2017 zum dritten Mal statt. Er gehört mittlerweile zu den großen stadtübergreifenden Stiftungsveranstaltungen in Deutschland. Der Auftakt findet am 24. und 25.3.2017 in der BMW-Welt statt.

Ohne Partner geht es nicht. Die Sponsoren des Münchner StiftungsFrühlings 2017 sind die HypoVereinsbank Private Banking und Rödl & Partner. Beide Unternehmen werden mit eigenen Veranstaltungen sowie einem Stand im Rahmen der beiden Eröffnungstage in der BMW-Welt vertreten sein.

Robert Schraudner, Leiter Stiftungen und Advisory bei der HypoVereinsbank Private Banking, benennt die Prioritäten: "Stiftungen sehen sich heute einem hohen Handlungsdruck ausgesetzt. Um diesen zu bewältigen, brauchen sie auch Foren und Plattformen. Die wichtigste in und um München  ist der MünchnerStiftungsFrühling."

Alexander Etterer, Partner bei Rödl & Partner und Leiter des Geschäftsbereichs Wealth, Risk & Compliance: "Wenn eine Stiftung heute nach Knowhow sucht, in der Kapitalanlage oder woanders, kommt sie um einen fachlichen Austausch nicht umhin. Wir engagieren uns beim MünchnerStiftungsFrühling, um Stiftungen hier eine Brücke zu bauen."

Das passiert in der BMW-Welt an den ersten beiden Tagen: Die beiden Eröffnungstage sind für das breite Publikum offen. Am Freitag, den 24.3.2017, wird eine Auftaktveranstaltung mit geladenen Gästen stattfinden, danach öffnen sich die Pforten der BMW-Welt für jeden, der Stiftungen oder deren Vertreter an ihren Ständen kennenlernen möchte. Den Besuchern steht an beiden Tagen eine breite Palette an Veranstaltungen offen: Workshops, Diskussionen und weitere interaktive Programmpunkte - es wird für jeden etwas dabei sein. Die beiden Sponsoren HypoVereinsbank Private Banking und Rödl & Partner werden mit einer Begegnungsfläche vertreten sein und einen weiteren Raum für intensive Gespräche schaffen.

In den Tagen danach, vom 26.3. bis zum 30.3.2017, finden in der gesamten Stadt Veranstaltungen von und für Stiftungen statt. Stiftungen können sich fachlich präparieren, Stiftungsinteressierte ihre ersten Schritte in die Stiftungslandschaft machen. Alle Programmpunkte sind auf www.muenchnerstiftungsfruehling.de hinterlegt.

Mehr als 150 Münchner Stiftungen nehmen aktiv am MünchnerStiftungsFrühling teil und gestalten Programmpunkte. Interviews mit einigen ausgewählten Stiftungen finden Sie auf der Seite des Fach-Medien-Partners DIE STIFTUNG unter www.die-stiftung.de.

Engagementinteressierte erfahren während des MünchnerStiftungsFrühlings, wie vielfältig Stiftungen in München wirken, wie viel Freude Engagement bereiten kann und mit welcher Begeisterung die Menschen dahinter involviert sind. München gilt nicht umsonst auch als eine der heimlichen Engagementhauptstädte Deutschlands.

Informationen zum Münchner StiftungsFrühling finden Sie auf www.muenchnerstiftungsfruehling.de, im Programmheft mit allen inhaltlichen Angeboten sowie im Beiheft der Sponsoren und des Fachmedien-Partners. Im Internet können Sie dem Münchner Stiftungsfrühling auch unter #msf2017 folgen.

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Ein Wegweiser für den MünchnerStiftungsFrühling

Der MünchnerStiftungsFrühling ist deshalb so etwas Besonderes, weil er mit einem zentralen Angebot in der BMW-Welt beginnt und danach über die Stadt verteilt verschiedene Veranstaltung jedweder Couleur bietet. Jeder, der im Programmheft stöbert, wird spannende, unterhaltende, fachliche und auch inspirierende Eventideen finden.

Wichtig ist, sich hier zurecht zu finden. Der nachfolgende kleine Wegweiser soll hierbei eine kleine Hilfestellung geben. Ausgehend davon, ob man sich fachlich informieren oder einfach Macher der Stiftungslandschaft treffen möchte, sind zwei Pfade möglich, um den MünchnerStiftungsFrühling zu erleben. Aber schauen Sie selbst.

 

 Ein kleiner Wegweiser für Besucher

 

Kolumnen
von Tobias M. Karow, Stiftungsberater (EBS), Leiter Digitalisierungsstrategie 4.0, Team Wealth, Risk & Compliance, Rödl & Partner

  Durch Deutschlands Stiftungslandschaft muss ein Ruck gehen

 

So wie der jüngst verstorbene Alt-Bundespräsident Roman Herzog in seiner berühmte Ruck-Rede auf Reformerfordernisse in Deutschland hinwies, darauf, dass man liebgewonnene Gewohnheiten über Bord werfen müsste, genauso so etwas bräuchte die hiesige Stiftungslandschaft auch. Eine Ruck-Rede, eine Rede, die aufrüttelt, ohne zu belehren, eine die auf Versäumnisse hinweist, ohne den Besserwisser raushängen zu lassen.

 

Warum, werden Sie sich jetzt fragen?

 

Nun, die deutsche Stiftungslandschaft geriert sich an der einen oder anderen Stelle vielleicht ein wenig bräsig. Sie reagiert zum Beispiel zu zaghaft auf das Niedrigzinsumfeld und zu langsam auf die digitalen Erfordernisse, die auch vor dem dritten Sektor nicht Halt machen. Stiftungen müssen Konsequenzen ziehen, damit dies keine nachhaltigen Konsequenzen hat.

Es ist inzwischen keine Neuigkeit mehr, aber die Zinsen sind niedrig. Wenn plötzlich die Kupons der Anleihen nicht mehr ausreichen, um Förder- oder Zweckversprechen mit (finanziellem) Inhalt füllen zu können, wird es eng: für den Handlungsspielraum, und damit auch für die Gemeinnützigkeit. Es reicht heute einfach nicht mehr aus, die eine Anleihe in die andere zu tauschen und dann den Kupon zu kassieren. Vielen Stiftungen wird dann auch zum Verhängnis, dass auch ihre Verantwortlichen in vielen Fällen nicht mit Finanzwissen gesegnet sind. Wir haben in Deutschland eine kaum vorhandene Anlegerkultur, und dementsprechend fehlt diese auch in Stiftungen. Jedoch sind Stiftungen steuerbefreite Körperschaften, die sich dieses Steuerprivileg ‚verdienen' müssen, indem sie ihre Erträge für gemeinnützige Zwecke ausreichen. Schaffen sie das nicht, gibt es eigentlich keinerlei schlüssige Begründung mehr, das Steuerprivileg aufrecht zu halten.

Zugegeben, das ist jetzt ein sehr statischer Gedanke, der viele Parameter außen vor lässt. Aber, er hat insofern seine Berechtigung, als dass er den Finger in die Wunde des mangelnden Könnens vieler Stiftungen in der Kapitalanlage legt. Den Stiftungen und ihren Verantwortlichen ist das kaum vorzuwerfen, denn wer konnte vor zehn Jahren, als man die letzte zehnjährige Bundesanleihe mit 4% Kupon kaufte, ahnen, dass der Zins in die Nähe der Nulllinie taumelt. Keiner konnte das ahnen, keiner wollte sich ernsthaft vorstellen, dass wir japanische Verhältnisse bekommen. Nun ist die Welt aber so, wie sie ist, sie ist eine andere geworden, die neues Handeln in der Kapitalanlage und vor allem das Verlassen der Komfortzone verlangt. Dieses neue Handeln müssen sich Stiftungen und deren Verantwortliche aber, und das ist die Krux, selber neu erarbeiten. Sie sind gefordert, die nötige Sorgfalt und das nötige Knowhow aufzubauen, damit sie gefeit sind etwa vor dem Haftungsgespenst.

Laut einer jüngsten Umfrage des Bundesverbands Deutscher Stiftungen sind es eben diese Haftungsrisiken, die Stiftungen derzeit am meisten umtreiben. Es ist die Angst, Fehler zu machen, die dann ernsthafte Konsequenzen haben können - entweder für den Stiftungslenker oder die Stiftung direkt. In Stiftungen muss Knowhow aufgebaut werden, muss Wissen und Können in der Kapitalanlage angehäuft werden, damit die Stiftungslandschaft so bunt und vielfältig bleibt, wie sie ist. Denn dies liegt an den Möglichkeiten, Mittel für die verschiedensten Ideen und Projekte zur Verfügung stellen zu können. Werden diese Möglichkeiten mangels ordentlichen Erträgen minimiert, erledigt sich die Vielfalt von ganz allein - und mit ihr übrigens auch Dinge wie die Wirkungsmessung, das Positionieren in der Öffentlichkeit, der Zugang zu einer passenden Projektpipeline.

Das alles zusammengenommen ist ein Ruck mehr als notwendig. Er muss aber aus den Stiftungen selbst kommen, er muss dort in den Köpfen passieren, dann hat er auch eine Chance, um sich greifen zu können. Vielleicht können wir mit unseren Veranstaltungsangeboten rund um die Kapitalanlage einen kleinen Denkanstoß für Stiftungslenker geben, vielleicht braucht es andere Katalysatoren. Fakt ist aber, dass die deutsche Stiftungslandschaft das ihr jetzt geöffnete Zeitfenster nutzen muss. Insofern ist der Niedrigzins vielleicht gar der beste Verstärker der Botschaft, vielleicht ist gerade er derjenige, der den Ruck auslöst. Vielleicht werden einige Stiftungen für die jetzige Phase an den Kapitalmärkten dankbar sein, weil sie heute die Weichen für morgen gestellt haben.

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von Sandra Bührke, Wirtschaftsjuristin (LL.B., EMBA, CEP), Direktorin Stiftungsmanagement, HypoVereinsbank Private Banking & Wealth Management

Stiftungen - Wachsen, blühen und gedeihen

 

Wie in einem frühlingshaften Garten mit einer kunterbunten Pflanzenvielfalt in allen nur erdenklichen Farben, Arten und Größen ist auch die Stiftungslandschaft in Deutschland sehr vielfältig. Keine Stiftung ist wie die Andere. Jede verfolgt ihre individuellen Ziele zu einem ganz bestimmten Zweck - und dies ist auch gut so. Denn Stiftungen bringen Vielfalt und ermöglichen Kreativität.

 

"Geteiltes Glück ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt." Albert Schweizer

 

Aber was genau bringt Stiftungen dazu zu wachsen, zu blühen und zu gedeihen?

 

Zu Beginn steht eine bloße Idee, ein Gedanke - der vielleicht auch nur aus einer Laune heraus entstammen kann. Oft besteht der Gedanke etwas Gutes zu tun und das Glück - welches man selbst erfahren hat - zurückzugeben. Aber genauso oft stecken hinter den Stiftungen auch ganz persönliche Lebenswege, mit Höhen und Tiefen von Stiftern - etwa der Tod eines Familienmitgliedes und ein gegebenes Versprechen. Doch egal aus welchem Anlass die Stiftung entsteht, in der Regel vereint die meisten Stifter ein gemeinsames Gefühl: nämlich die Zufriedenheit, denn sie haben etwas geschaffen, etwas was möglichst lange wirken soll.

Und an dem Punkt kommt nun das große Fragezeichen. Wie kann das Wirken aussehen? Wie kann das Ziel der Stiftung erfüllt werden und ganz besonders woraus? In der Regel steht der Stiftung zwar Kapital zur Verfügung, aber dies darf in den meisten Fällen nicht eingesetzt werden. Dafür sollen die Erträge sorgen. Nur wenn diese Mittel da sind, kann auch ein guter Zweck gefördert werden.

Allein der Gedanke Geld anzulegen und arbeiten zu lassen, um daraus die Früchte zu ernten, lässt sich nicht mehr so leicht realisieren, wie das früher vielleicht einmal war. Denn leider ist die Zeit der niedrigen Zinsen eine Herausforderung für viele Formen der Geldanlage. Zu den Zeiten als das Sparbuch oder die Bundesanleihe noch ordentlich Erträge brachten, war freilich vieles leichter. Aber genau dies hilft derzeit nicht weiter. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen und es ist auch nicht abzusehen wann sich die Zeiten wieder ändern.

Die Stifter und auch Stiftungsorgane müssen umdenken, um gute laufende Erträge zu erzielen. Aber allzu oft bedeutet Umdenken, einen unbekannten oder sogar einen gänzlich neuen Weg einzuschlagen. Stiftungsorgane müssen sich mit neuen Anlagemöglichkeiten auseinandersetzen. Sich mit vielen Fragen beschäftigten, um die passende Lösung für die Stiftung zu finden.

Die Idee für die Stiftung mit ähnlicher Strategie - wie für sich selbst anzulegen - liegt zwar nahe, ist jedoch für Stiftungen in der Regel unpassend. Stiftungen haben im Gegensatz zu Privatanlegern ganz eigene und besondere Anlageziele mit denen der Zweck des Stifters erfüllt werden soll: Die Stiftung hat im Gegensatz zu den meisten Privatkunden zumeist keine anderen Einkünfte als den Anlageertrag. Die Quintessenz ist: ohne erwirtschaftete Mittel aus dem Stiftungsvermögen keine Wirkung.

Die Stiftungsorgane müssen also darauf achten, mit welchen Anlagen sie die notwendigen Erträge erwirtschaften. Aber hier gilt es genau hinzuschauen: Denn ein realisierter Kursgewinn zum Beispiel gehört zum Stiftungsvermögen und darf nicht für die Finanzierung des Stiftungszwecks verwendet werden. Dafür müssen Erträge sorgen - dies können zum Beispiel entweder Zinsen oder Dividendenausschüttungen sein. Genau dafür muss eine ausgewogene und sinnvolle Anlagestrategie entwickelt werden. Gemeinsam mit Anlageexperten müssen sich daher die Stiftungsorgane mit verschiedenen Fragen befassen: Was ist im Stiftungssinne? Wer kann uns auf unserem Weg unterstützen? Wie können wir das Ziel erreichen und mit welchen Anlageprodukten? Wollen wir uns Grenzen setzen? Fazit:

Stiftungen müssen ihre Anlagestrategien der Marktsituation anpassen und auch kontinuierlich im Auge behalten. Wir können die derzeitigen Rahmenbedingungen am Markt nicht ändern, aber wir können es angehen und das Beste aus der Situation machen und gemeinsam für die Stiftung eine gute Ausgangsposition schaffen, damit sie wächst, blüht und gedeiht.

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von Tobias M. Karow, Stiftungsberater (EBS), Leiter Digitalisierungsstrategie 4.0, Team Wealth, Risk & Compliance, Rödl & Partner

  Knocking on Stiftung's door

 

Zugegeben, es ist vielleicht eine etwas naive Vorstellung. Stiftungen und ihre Verantwortlichen treffen sich mit potentiell Engagementinteressierten, tauschen sich aus und finden wie selbstverständlich auf die eine oder andere Weise einen Weg in eine Zusammenarbeit. Und da in München sowieso Geld wie Heu vorhanden ist, ist das Ganze "a g'mahde Wiesn", wie man in Bayern so schön sagt. Was sich einfach anhört, hat jedoch mit der Praxis nur wenig zu tun, und das kann in dieser Einfachheit auch der MünchnerStiftungsFrühling nicht leisten. Der MünchnerStiftungsFrühling kann aber etwas anderes schaffen, und darüber machen wir uns als Sponsor oder Partner erst recht Gedanken.

 

Litfaßsäule für Engagement

 

Für Stiftungsinteressierte ist er die perfekte Plattform, um einfach mal reinzuschnuppern. Denn der MünchnerStiftungsFrühling ist quasi die Woche der offenen Tür in der Münchner Stiftungslandschaft.

Was macht Stiftungen so besonders, wer sind die Menschen dahinter, wo kann man sich selbst einbringen - dafür bekommen Interessierte, Münchnerinnen und Münchner mehr als nur ein Gefühl. Wie viele Menschen fragen und suchen nach einer Tätigkeit mit Sinn? Wie viele finden, die Generation Y hat Recht in ihrem Streben, ihr Leben nicht von Karriere und Geld sondern von Sinn und Wirkung bestimmen zu lassen? Es sind jede Menge, und täglich werden es mehr. Entsprechend ist der MünchnerStiftungsFrühling so etwas wie eine Litfaßsäule für die Stiftungslandschaft in und um München, mit dem Unterschied, dass man eine Litfaßsäule nur anschauen, die Münchner Stiftungen jedoch zwischen dem 24. und 30.3.2017 - und natürlich auch darüber hinaus - erleben kann. Knocking on Stiftung's door? Es kann eine tolle Erfahrung sein.

Tiefe Fachlichkeit bekommt ihren Raum

Andererseits bietet der MünchnerStiftungsFrühling eine bewusst tiefe Fachlichkeit. Workshops, der täglichen Stiftungspraxis entlehnt, beantworten jene Fragen, die sich Stiftungen derzeit zuhauf stellen: Wie kann ich den Spagat aus Nullzins und Projektzusage überhaupt noch schaffen? Wie bekomme ich mögliche Haftungsrisiken in den Griff? Wie finde ich mit meiner Stiftung draußen mehr statt? Was brauche ich, um Spender und Unterstützer zu gewinnen? Werde ich von der Digitalisierung abgehängt? Diese und andere Fragen hören wir, wenn wir mit Stiftungen sprechen, und darauf sollen die Fachveranstaltungen Antworten zu finden. Gerade weil der MünchnerStiftungsFrühling diesen Spagat schafft, weil er Begeisterung und Fachlichkeit zusammenbringt, sind wir als Sponsor mit an Bord. Wir wollen das fachliche Profil des MünchnerStiftungsFrühlings schärfen.

Stiftungen können begeistern

Es wird immer gesagt, dem MünchnerStiftungsFrühling fehle ein Thema, ein übergeordnetes Motto. Aber ist dem wirklich so? Ist der Spagat aus Begeisterung und Fachlichkeit nicht eigentlich genug Überbau, um Menschen während dieser Woche zusammenzubringen? Stiftungen mag dies an mancher Stelle zu wenig sein, aber ihre künftige Kraft speist sich aus Interessenten und Unterstützern, die sie heute finden. Und diese wollen emotional abgeholt werden, nicht lediglich fachlich. Stiftungen können begeistern, Stiftungen sollen begeistern, Stiftungen müssen begeistern, entsprechend müssen sie sich hier und da auch anfassbar machen. Stiftungen als "closed shop" sind ein Modell von gestern.

Fazit

Mich persönlich begeistert die Stiftungslandschaft immer wieder aufs Neue, und ich bin dankbar, dass wir gemeinsam mit der HypoVereinsbank unseren Part als Sponsor sehr aktiv interpretieren und zu 150% hinter dem Engagement stehen. Ich weiß es zudem sehr zu schätzen, dass in der Stiftungslandschaft vielerorts der Nukleus für soziale Innovationen von morgen schlummert. Damit sich ein Weg bahnt, braucht es Veranstaltungen wie den MünchnerStiftungsFrühling, der Fachlichkeit und Begeisterung in der und für die Münchner Stiftungslandschaft zusammenbringt. In München san mia eben nicht nur mia (hochdeutsch: In München leben wir nicht nur "Mia san mia"), nein: Mia san Engagement.

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Interviews
"Möglichst viele begeistern"

 

Petra Bauer-Wolfram, Standortkoordinatorin der Stiftung Gute-Tat München & Region, steht im Interview erfrischend offen Rede und Antwort.

 

Was ist Ihre Motivation hinsichtlich des MünchnerStiftungsFrühlings?
 

Petra Bauer-Wolfram: Für uns steht im Vordergrund, dass wir neue Ehrenamtliche aber auch neue gemeinnützige Organisationen erreichen, und da viele beim MünchnerStiftungsFrühling mitmachen, ist es unser Ziel, möglichst viele davon für uns zu begeistern. Und es gibt sicher etliche Stiftungen, die uns noch nicht kennen. Auch dürften potentielle Unterstützer über unsere Programmvielfalt denken, wow, toll, kannten wir noch gar nicht, schaue ich mir mal genauer an.

Ist für Sie der fachliche Austausch währendes des MünchnerStiftungsFrühlings von Belang?

Bauer-Wolfram: Unser Stiftungsgründer Jürgen Grenz zum Beispiel wird mit an Bord sein mit einem Vortrag, und er nutzt solche Gelegenheiten wie den MSF zum fachlichen Gespräch. Ihm ist es immer sehr wichtig, sich mit anderen Stiftungen auszutauschen, über neue Ideen oder eben das, was andere Stiftungsverantwortliche derzeit umtreibt.

Um was dreht sich der Vortrag von Herrn Grenz?

Bauer-Wolfram: Er wird über unser Team Event Plus sprechen, wo wir die komplette Beratung, Konzeption und Begleitung von Unternehmensengagements anbieten. Die Frage ist ja, wie man aus einer normalen Team Building-Maßnahme eine besondere macht, also eine mit einem sozialen Ansatz. Beispielsweise kann das eine Firma sein, die viele junge Mitarbeiter hat und die in einem Teamevent mal gemeinsam etwas erleben wollen. Früher wäre man zum River-Rafting gegangen, mit unserem Programm können die Mitarbeiter gemeinsam mit Jugendlichen zum Beispiel aus sozial schwierigen Verhältnissen oder aus dem Flüchtlingsumfeld ein Floß bauen. Das ist Team Building für die Mitarbeiter, gleichzeitig werden etwa die Flüchtlinge sozial eingebunden, wo wir doch heute alle von Integration und Inklusion sprechen.

Das klingt nach dem richtigen Ansatz. Auf was freuen Sie sich sonst noch beim MünchnerStiftungsFrühling?

Bauer-Wolfram: Unsere drei Konzerte, darauf freue ich mich besonders. Jeder, der zwischen Workshops und Vorträgen mal durchschnaufen und etwas Kulturelles genießen kann, wird dies zu schätzen wissen. Die ganze Woche ist ja geprägt von Terminen, musikalische Kleinode sind da eine willkommene Abwechslung. Und ich bin sehr gespannt auf Heinz Buschkowsky, den ehemaligen Bürgermeister von Berlin-Neukölln, den die Castringius Stiftung zu einer Abenddiskussion geladen hat.

Wenn Sie mal zehn Jahre zurück schauen, damals gab es den MünchnerStiftungsFrühling noch gar nicht. Was sind für Sie heute die größten Herausforderungen, im Vergleich zu damals?

Bauer-Wolfram: Da wir keine Förderstiftung sind, ist für uns der finanzielle Aspekt nach wie vor existentiell. Wir sind rein operativ tätig und damit gibt es einen ständigen Kampf ums Budget. Sicherlich ist Kampf ein etwas harter Begriff, vielleicht ist es eher der Wettbewerb, der heute ein anderer ist. Wir wetteifern mit anderen Stiftungen oder Ehrenamtsagenturen um Spender und Ehrenamtliche, und je mehr Angebote es hier gibt, desto schwieriger wird es für uns. Es gibt praktisch keine Basisfinanzierung, die uns z.B. für unser neues Bildungsprojekt Lernen durch Engagement zur Verfügung steht.

Also bräuchten Sie mehr Spenden in den Stiftungsstock?

Bauer-Wolfram: Ganz genau, quasi ein Grundeinkommen für Stiftungen. Wobei das dann sofort die Herausforderung mit sich brächte, dieses Geld anzulegen, was in Zeiten niedriger Zinsen nicht einfach ist.

Gab es denn beim letzten MünchnerStiftungsFrühling Nachfrage vonseiten potentieller Zustifter?

Bauer-Wolfram: Wir hatten gute Gespräche mit potentiellen Kooperationspartnern, die uns vorher noch nicht gekannt hatten, und einem Partner aus dem Stiftungsbereich. Daraus ist dann ein neuer Zuschuss für eines unserer Projekte entstanden, insofern hat sich der MünchnerStiftungsFrühling als Austauschplattform für uns in jedem Fall gelohnt. Wobei wir auch sagen müssen, dass wir ohne die Regelförderung der Stadt München nicht dort wären, wo wir sind.

Wie kommen Sie denn sonst an Mitstreiter?

Bauer-Wolfram: Zum Beispiel über unseren wöchentlichen Infoabend. Das Durchschnittsalter liegt hier momentan bei Mitte 30, (die middle ager), es kommen also vermehrt junge Leute auf uns zu und fragen nach ehrenamtlichem Engagement. Dabei überwiegen immer noch die Frauen, aber die Zahl der Männer nimmt zu. Früher war es auch eher das altruistische Denken, das zu Engagement und Ehrenamt motivierte, heute ist es eher das Bewusstsein über das, was man besonders gut kann und was man gerne macht. Und viele Ehrenamtliche wollen auch andere Menschen kennenlernen, die etwas Gutes tun, um hier gemeinsam Spaß zu haben. Das ist schon etwas anders als vielleicht noch vor zehn Jahren.

München hat ja schon einen Engagement-Bias, das sieht man an der Stelle ganz deutlich. Herzlichen Dank für das offene Gespräch.

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  "Eine Bürgerstiftung ist ein Anlaufpunkt"

 

Petra Birnbaum und Carmen Paul, beide Vorständinnen der Bürgerstiftung München, sind in ihrem Element, wenn sie über Engagement in München sprechen. Welche Rolle der MünchnerStiftungsFrühling dabei spielt und vor welchen Herausforderungen sie künftig stehen, dazu haben sie eine klare Meinung.

 

Warum braucht München den MünchnerStiftungsFrühling?

Petra Birnbaum: Für mich ist der MünchnerStiftungsFrühling insofern ganz wichtig, weil ich immer noch das Gefühl habe, dass Münchnerinnen und Münchner nicht wissen, was Stiftungen eigentlich leisten. Ohne die 1.200 Stiftungen, die in München aktiv sind, könnten viele Schulprojekte oder Garteninitiativen nicht umgesetzt werden, wären viele Bildungsaktivitäten nicht mehr denkbar. Dafür müssen die Bürger Münchens sensibilisiert werden, und diese Lücke in der Information schließt der MünchnerStiftungsFrühling.

Also sollen Stiftungen mal mit der Engagement interessierten Masse "da draußen" zusammengebracht werden.

Carmen Paul: Natürlich. Als Bürger ist man auch dazu angehalten, die Stadt - in der der man lebt - mit zu gestalten, auch für die Zukunft. Andersherum ist es für Stiftungen natürlich umso wichtiger, mit Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt zu kommen, denn wir wollen ja als Stiftung nicht am Bürger vorbeiagieren.

Wenn ich mich jetzt für den MünchnerStiftungsFrühling interessiere, wie finde ich mich dort dann zurecht aus Ihrer Sicht?

Birnbaum: Einmal gibt es ja in der BMW-Welt an den ersten beiden Tagen eine Art Messe. Verschiedene Stiftungen präsentieren sich hier mit einem Stand, jeder, der Fragen zu Stiftungen allgemein oder auch im Speziellen hat, kann hier den Kontakt mit Stiftungsvertretern suchen. Ich glaube, es dürften knapp 100 Stiftungen sein, die sich dort präsentieren. Allerdings, und das muss man auch deutlich sagen, soll dies keine Ehrenamtsbörse sein, da existieren andernorts andere Angebote. Dennoch bekommen Engagement interessierte ein Gefühl davon, welche Stiftungen mit Ehrenamtlichen arbeiten, denn das machen ja nicht alle.

Welches Ziel verbinden Sie für die Bürgerstiftung München mit dem MünchnerStiftungsFrühling?

Birnbaum: Eigentlich ganz einfach. Wir sind eine Plattform für Münchner Bürgerinnen und Bürger, die sich in ihrer Heimatstadt engagieren wollen. Wenn jemand sagt, ihn stört schon immer der Müll an der Isar, dann will er das vielleicht einmal in einem Kreis adressieren und auch gleich Mitstreiter zur Lösung des Problems finden. Er könnte sich mit dieser Projektidee an die Bürgerstiftung München wenden und bekäme dann Knowhow und Unterstützung, um das Projekt in der gewünschten Art und Weise umzusetzen.

 

Paul: Engagement scheitert in vielen Städten an den Anlaufpunkten. Ideen sind genügend da, aber Mitstreiter und Strukturen zu finden, das ist vielfach relativ schwierig. Teilhabe ist ja ein Kernelement unseres Zusammenlebens, und eine Bürgerstiftung kann hier eine tragende Rolle spielen, weil sie eben ein Anlaufpunkt für Ideen und Engagement sein kann. Wir glauben daran, dass das Engagement von Bürgern wesentlich ist für das Funktionieren einer Gemeinschaft. Für mich ist der MünchnerStiftungsFrühling genau vor diesem Hintergrund auch sehr wichtig. Wir brauchen wieder mehr gesellschaftliche Wahrnehmung für Engagement, dafür, dass es Menschen gibt, die da sind und sich kümmern. Eben entgegen dem Trend zur immer weiter fortschreitenden Individualisierung. Stiftungen sind hier Akteure, die ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln, die Probleme lösen, und der MünchnerStiftungsFrühling macht das wahrnehmbar und zeigt, dass hier etwas passiert. 

 

Birnbaum: In München gibt es aber noch zahlreiche andere, sehr gute Anlaufstellen, das muss ich auch sagen. Aber der Engagement interessierte muss unterscheiden, ob er sich ehrenamtlich einbringen möchte oder ob er eine Projektidee hat, die es auszurollen gilt. Bei letzterem ist er eher bei uns richtig.

Jetzt entfalten Sie Aktivität, was sind denn dabei derzeit die größten Herausforderungen?

Birnbaum: Was wichtig ist, um ein Projekt umzusetzen, ist die Verbindlichkeit von Menschen, auch tatsächlich mitzumachen. Für ein Projekt brauche ich Ausdauer, und das ist auch ein originärer Kernaspekt der Bürgerstiftungen, langfristig zur Lösung von Problemen beizutragen. Genau diese Verbindlichkeit hat aber nachgelassen. Es könnte aber sein, dass bei den Jüngeren, und ich meine das zu erkennen, ein Umdenken diesbezüglich einsetzt. Denn diese erben ja auch die Probleme, die derzeit nicht gelöst werden. Vor 15 Jahren war es viel einfacher, Menschen zu finden, die in einer Stiftung Verantwortung übernehmen. Viele wollen ihre Flexibilität behalten, verschiedene Dinge parallel machen. Eine andere große Baustelle ist für uns auch das Thema Kapitalanlage, hier ist die Situation gänzlich anders als noch vor fünf Jahren - jedoch mit dem für mich ganz persönlich wunderbaren Nebeneffekt, dass es einen Trend hin zu immer mehr Kooperationen herausbildet. Das wiederum ist ja auch ein originärer Gedanke der Bürgerstiftungen, gemeinsam mit anderen etwas machen. Paul: Ich glaube, eine große Herausforderung ist zu schauen, dass Stiftungen nicht alles doppelt und dreifach machen. Vieles gibt es schon, bei manchen Projekten macht eine Kooperation absolut Sinn, das müssen wir genauer abwägen als noch vor einigen Jahren. Auch sehen wir, dass wir selber viel stärker nach der Wirkung einer Maßnahme oder eines Projektes fragen, im Umkehrschluss machen wir also nicht mehr alles, sondern nur noch das, was nachhaltig aufgesetzt werden kann. Die Herausforderung ist es hier, genauer hinzusehen und Ideen eben genauer zu prüfen.

Vielleicht noch ein Wort zur Kapitalanlage. Wie gehen Sie dieses Feld grundsätzlich an?

Birnbaum: Wir haben ziemlich strikte Anlagerichtlinien, dürfen vieles nicht. Jüngst haben wir uns aber zu einer Änderung des Anlagerahmens durchgerungen, den Aktienanteil von 20 auf 30% nach oben zu nehmen, ansonsten veranlagen wir sehr konservativ. Zum Glück haben wir noch einige Papiere aus dem Altbestand, die erklecklich Zinsen bezahlen. Aber klar, die laufen auch eines Tages aus.

Für die Zukunft gibt es also Einiges zu tun. Sind Sie, um bei der Zukunft zu bleiben, mit einer Veranstaltung beim MünchnerStiftungsFrühling vertreten?

Paul: Ja, wir machen am 29. März ab 17 Uhr einen Jahresempfang in den Ratsstuben im Rathaus, eigentlich mit unsere wichtigste Veranstaltung im Jahr. Unser ehemaliger Stiftungsratsvorsitzender hatte die Idee, dass die Bürgerstiftung ihren bestehenden Unterstützern Danke sagen sollte, und dass im Zuge dessen vielleicht auch neue Unterstützer gewonnen werden können. So entstand dann der Jahresempfang. Birnbaum: Wir bieten ein kleines Unterhaltungsprogramm, zeigen, was wir im vergangenen Jahr alles auf die Beine gestellt haben. Von der Stadt wird in diesem Jahr Umweltreferentin Stephanie Jacobs zu uns sprechen, es ist Tradition, dass ein Vertreter der Stadt, deren Namen die Bürgerstiftung trägt, beim Jahresempfang zu Wort kommt. Letztlich machen wir die Bürgerstiftung an diesem Abend für jeden mal so richtig anfassbar.

Dann freuen wir uns auf das Wiedersehen am 29.03.2017, in den Ratsstuben. Haben Sie vielen Dank für Ihre Zeit und das interessante Gespräch.

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"Das wird die Menschen begeistern"

 

Sandra Bührke, verantwortlich für das Stiftungsmanagement im HypoVereinsbank Private Banking & Wealth Management, über die Motivation hinter dem Engagement der HVB beim MünchnerStiftungsFrühling 2017 und die programmatischen Highlights.

 

Sie, also Ihr Arbeitgeber, engagiert sich noch stärker beim MünchnerStiftungsFrühling als zuletzt. Was ist Ihre Motivation dahinter?
 

Sandra Bührke: Wir wollen an unserem Stammsitz Flagge zeigen, zumal wir beim Thema Stiftungsmanagement traditionell auch zu den großen Anbietern zählen. München ist auch einer der größten deutschen Stiftungsstandorte - dem entsprechend betreuen wir hier auch zahlreiche Stiftungen. Unsere eigenen Stiftungen, die HypoKulturstiftung und die HVB Stiftung Geldscheinsammlung, aber auch die Unterstützung anderer Stiftungen in der Landeshauptstadt, stärken zudem unsere Identifikation mit München als Stiftungsstandort. Das alles zusammen genommen führte dazu, uns zu überlegen, beim MünchnerStiftungsFrühling gemeinsam mit Rödl & Partner eine prägendere Rolle zu übernehmen.

Prägend ist ein gutes Wort. Wie wollen Sie den MünchnerStiftungsFrühling denn prägen?

Bührke: Wir wollen den Münchnerinnen und Münchnern viel stärker als bisher ins Gedächtnis rufen, was es mit Stiftungen auf sich hat. Viele Münchner fragen sich, ob gut situiert oder nicht, was man der Stadt oder den Menschen in der Stadt eventuell zurückgeben kann, wie man helfen kann. Viele haben jedoch immer noch keinen Zugang zur Stiftungslandschaft, wissen weder, wie sie eine Stiftung gründen sollen, noch wie sie sich ggf. an einer bereits bestehenden Stiftung beteiligen können. Wenn wir Engagement in München dynamisieren wollen, dann müssen wir das Thema Stiftung viel breiter in der Bevölkerung verankern. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Wir unterstützen seit einigen Jahren die Castringius Stiftung bei ihrem Kongress Kinder.Stiften.Zukunft., weil das auch ein Themenfeld ist, wo wir gut daran tun, unsere Kräfte zu bündeln, um die Zukunft von Kindern lebenswerter zu gestalten. Je mehr Bürger Münchens davon wissen, desto stärker ist mittelfristig der Effekt.

Die Hürden für gemeinnütziges Engagement sind ja viel niedriger als man gemeinhin denkt.

Bührke: Das auf jeden Fall. Mir ist aber vor allem wichtig, dass eine Stiftung stets mit einem langfristigen Gedanken, einem langfristigen Wollen, Gutes tun zu wollen, verbunden ist. Eine Spende mache ich ggf. ein- oder zweimal, und damit hat es sich dann in vielen Fällen. Der guten Sache ist damit nur leider selten geholfen.

Wo ist München als Stiftungsstandort eigentlich besonders?

Bührke: Grundsätzlich finde ich es gut, dass das Stiftungswesen in Deutschland sich so gut über das ganze Land verteilt. Es wäre schade, wenn es nur ein zwei Stiftungshochburgen gäbe. Aufgrund der Vermögensdichte in München ist die Stadt vielleicht von außen prädestiniert, ein großer Stiftungsstandort zu sein und da hebt sie sich sicherlich von anderen Städten ab. Gleichwohl hat München aber auch dieselben sozialen Probleme und Brennpunkte, wie andere Großstädte auch, und da bin ich froh, dass die Stiftungsdichte so groß ist. Hier kommt es dann auch oftmals nicht auf das Vermögen an, sondern auf den Einzelnen, der sich eben einer Sache, einem Problem oder einem Projekt verschrieben hat. Insofern spielen Stiftungen für das gesamte soziale Gefüge schon eine wichtige Rolle, und ich würde sagen, vielleicht sogar eine wichtigere als in anderen Städten. Insbesondere weil die Erwartungshaltung an München hinsichtlich der Lösung sozialer Probleme eine andere ist als bei anderen Städten.

Was erwartet denn nun den Besucher des MünchnerStiftungsFrühlings in der BMW-Welt?

Bührke: An der Stelle möchte ich präzisieren, dass am 24. und 25.3.2017 ja die Eröffnung in der BMW-Welt stattfindet und an beiden Tagen wirklich jeder eingeladen ist, in die Stiftungslandschaft einzutauchen. Wir wollen dazu beitragen, dass bestehende Stiftungen Anregungen für ihre tägliche Praxis bekommen, genauso aber potentielle Stifter genügend Impulse mit nach Hause nehmen. Hierzu haben wir überlegt, wie wir dies an den Besucher herantragen. Am Freitag können sich Stiftungen zum Beispiel auf ein Workshop-Café freuen, das sich mit dem Thema "Die digitale Stiftung" auseinandersetzt, am Samstag dann spielen wir im wahrsten Sinne des Wortes eine Stiftungsgründung nach.

Wie muss sich der Besucher das vorstellen?

Bührke: Ein Unternehmer, der eine Stiftung gründen will, durchschreitet vor Publikum die einzelnen Stationen einer Stiftungsgründung. Die in unseren Augen sechs entscheidenden Schritte werden dabei "durchgespielt". Das Schöne ist, dass das Publikum eine Stiftungsgründung damit quasi live miterlebt, und eben nicht durch den 28ten Vortrag mal durchdekliniert bekommt.

Das klingt innovativ.

Bührke: Ist es auch, offen gestanden bin ich auf das Endergebnis auch sehr gespannt. Oder nehmen Sie unseren Stand. Wir werden hier eine offene und frische Begegnungsfläche schaffen, auf der wir für Gespräche zur Verfügung stehen, wo wir Fragestunden veranstalten und allen, die Fragen zu ihrer Stiftung oder etwa zu einer Stiftungsgründung haben, mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ein Gespräch ist mir viel lieber als zehn Werbebroschüren und eine klassische Standatmosphäre. Auch die HVB Stiftungsakademie sollte ein Pflichttermin sein. Stiftungen und Stiftungsinteressierte werden hier noch einmal abschließend fachlich abgeholt, die Stiftungsakademie beschließt fast schon traditionell den MünchnerStiftungsFrühling.

Was ist Ihnen persönlich beim MünchnerStiftungsFrühling einen Besuch wert?

Bührke: Da hier ein großer Teil von ehrenamtlichem Engagement hinter verschlossenen Türen abläuft, freut es mich umso mehr, dass Stiftungen mit dem Münchner Stiftungsfrühling mal eine Bühne bekommen, sich zu zeigen, und das Münchnerinnen und Münchner mal einen Eindruck davon bekommen, was Stiftungen in München alles leisten. Das wird die Menschen begeistern, da bin ich sicher, das Spektrum der Münchner Stiftungen ist sehr breit - breiter als sich Viele das im Vorfeld vielleicht gedacht hätten.

Die Weichen stehen also auf Besucherrekord. Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Cornelius Faber.

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  "Der Veränderungsdruck in Stiftungen steigt"

 

Im Gespräch mit Alexander Etterer und Tobias Karow, beide Rödl & Partner, über die Unterstützung des MünchnerStiftungsFrühlings und auf was sich Stiftungen heute bereits freuen können

 

Warum beteiligen Sie sich als Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft so aktiv am MünchnerStiftungsFrühling 2017?

Alexander Etterer: Stiftungen sind für uns eine wichtige Mandantengruppe. Wir beraten und betreuen Stiftungen auf verschiedenen Wegen. Unternehmensverkäufer kommen zu uns, wenn sie eine Stiftung gründen wollen, bestehende Stiftungen lassen sich von uns ihre Anlagerichtlinie überarbeiten, ihr Portfolio hinsichtlich einer Rendite-/Kostenoptimierung analysieren oder suchen über uns den für ihre Anforderung passenden Vermögensverwalter.

Wir haben also schon sehr viele Berührungspunkte mit Stiftungen. Was wir heute aber mehr denn je sehen ist der wachsende Handlungsdruck, der sowohl die Einnahmeseite als auch die Ausgabenseite tangiert. Tobias Karow:  Der Veränderungsdruck in Stiftungen steigt permanent. Niedrige Zinsen lassen viele Stiftungen notleidend werden, manche dagegen finden keinen Paten mehr für Projekte, weil ihnen die Mittel etwa für eine ordentliche Wirkungsmessung fehlen. Das bedingt sich alles gegenseitig. Foren wie der MünchnerStiftungsFrühling sind daher perfekt geeignet, diese Probleme nicht nur zu diskutieren sondern den Münchner Stiftungen eine Möglichkeit zu geben, Ansatzpunkte für eine Lösung der Probleme zu finden.

Also stehen die Probleme der Stiftungen für Sie im Vordergrund?

Karow: Das ist schon klar. Der MünchnerStiftungsFrühling soll keine Problemmesse für Stiftungen werden. Aber doch sind nun mal viele Stiftungen damit überfordert, dem Niedrigzinsumfeld Herr zu werden. Der Niedrigzins muss auf die Agenda im Stiftungssektor rücken, und zwar nicht auf Platz 7 sondern auf Platz 1. Denn was vorne nicht verdient wird, kann hinten nicht ausgegeben werden. Etterer: In unserer Fachabteilung beraten wir Stiftungen rund um das Thema der Bewirtschaftung des Grundstockvermögens. Dabei spielt die Überwachung und Kontrolle der getätigten Anlagen eine große Rolle. Wer als Treuhänder für fremde Gelder verantwortlich ist, kann schnell in Haftungsthemen kommen. Diese gilt es zu vermeiden. Gerade bei der Wahl der Anlageklassen und Produkte im Niedrigzinsumfeld werden häufig Entscheidungen, die mit einem erhöhten Risiko verbunden sind, getroffen. Hier schaffen wir Transparenz und Information für besser begründete Entscheidungen.

Sie werden also ein aktiver Partner des MünchnerStiftungsFrühlings 2017 sein?

Etterer: Das haben wir vor, die Kombination mit der HypoVereinsbank als Partner eröffnet uns hier auch neue Möglichkeiten. Dabei wollen wir nicht nur fachliche Themen für Stiftungen anbieten, sondern auch potentielle Stifter für ein Engagement begeistern. Karow: München ist prädestiniert, ein noch stärkerer Stiftungsstandort zu sein. In der Stadt bündeln sich durch die Prosperität sehr viele Ideen, eine große Anzahl von Menschen möchte sich auch in diesem Gemeinwesen engagieren. Wer einmal auf der Freiwilligenmesse im Gasteig war, weiß, wovon wir hier sprechen. Das zusammen mit dem in München ansässigen notwendigen Kapital macht Engagement in Stiftungen zu einem enorm spannenden Feld.

Was überlegen Sie sich für die Zielgruppe der potentiellen Stifter?

Karow: Beispielsweise wollen wir ein Theaterstück aufführen, dessen Arbeitstitel aktuell lautet "Stiftungsgründung - (k)ein Drama in fünf Akten". Wir werden hier einen Schauspieler bitten, in die Rolle des Unternehmensverkäufers zu schlüpfen. Dieser passiert dann in Gesprächen verschiedene Stationen, die für eine Stiftungsgründung notwendig sind. Er wird mit einem Anwalt sprechen, mit der Stiftungsaufsicht, mit dem Bundesverband, mit einem Banker und dann auch mit einem Strategieberater. Wir wollen die Stiftung an sich auch ein wenig entmystifizieren, sie für breitere Schichten anfassbar machen. Etterer: Letztlich kann es ja sein, dass ein potentieller Stifter, etwa ein Unternehmer, sogar besser beraten ist, keine Stiftung zu gründen sondern sich an eine bestehende Stiftung anzuschließen. Auch das würden wir in diesem Format unterbringen wollen, denn wenn das Stiftungsengagement in Deutschland eines vor allem braucht, dann ist es mehr Schlagkraft. Immer mehr kleinere und angesichts des Niedrigzinsumfelds kaum mehr handlungsfähige Stiftungen sind womöglich nicht der Weisheit letzter Schluss. Die Vielfalt darf jedoch nicht leiden, das ist auch klar, speziell in München darf die Stiftungslandschaft nicht monotoner werden.

Sehen Sie da Tendenzen?

Etterer: Nein, das würde ich so nicht sagen, die Vielfalt ist absolut vorhanden, aber natürlich sieht man wie sich die Stadt und einige ihrer Quartiere verändern, was dann auch perspektivisch Folgen für die Stiftungslandschaft nach sich ziehen könnte. Insofern brauchen wir dann heute vielleicht doch mehr Stiftungsgründungen, und wenn ein Münchner Unternehmer eine Stiftung gründen will und er sich mit dieser Entscheidung am wohlsten fühlt, dann ist das völlig in Ordnung. Er wird nur heute mehr Zeit in die Vorbereitung und das Aufsetzen investieren müssen. Beispielsweise würde ich heute keine Stiftung mehr ohne Anlagerichtlinie gründen, die Vermögensverwaltung würde ich ausschreiben und stattdessen die Controller-Rolle einnehmen, und auf der Projektseite würde ich versuchen, die Kräfte zu bündeln.

Dann freuen wir uns auf Ihre Beiträge zum MünchnerStiftungsFrühling 2017 und danken Ihnen schon jetzt dafür, dass Sie uns so tatkräftig unterstützen.

Das Interview führte Cornelius Faber.

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