Schuldschein Finanzierung

Best Finance Practice: Schuldschein verschafft Unabhängigkeit und Stabilität.

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten:
Schuldscheine im Praxistest: Lesen Sie, wie die Häfele Gruppe damit ihre Zinsbelastung optimieren und ihre Investorenbasis verbreitern konnte.

Die Häfele Gruppe ist international führend in Möbel- und Baubeschlägen sowie elektronischen Schließsystemen und fasziniert damit weit über ihre eigentliche Zielgruppe – Möbelindustrie, Holzhandwerk, Handel, Generalunternehmer, Architekten und Gestalter – hinaus.

Mit seinen 37 Auslandstochterunternehmen, weiteren 11 internationalen Niederlassungen und fünf Produktionsbetrieben bietet das Familienunternehmen aus Nagold im Schwarzwald über 205.000 Produkte weltweit an, in Deutschland sind es 45.000. Im Jahr 2016 erwirtschaftete das traditionsreiche Unternehmen 1,3 Milliarden Euro Umsatz. Der Auslandsanteil lag bei 79 Prozent.

Stabilität wünscht sich die Häfele Gruppe für ihre Finanzierung, berichtet der Leiter Treasury der Gruppe, Ulrich Riegel. Als typischer Mittelständler, der sich seit drei Generationen in Familienhand befindet, verfolge das Unternehmen eine sehr langfristige Unternehmenspolitik, die auch bei der Finanzierung sichtbar sei, so Riegel.

Seit 2010 nutze die Gruppe einen kleinen Kreis an Kernbanken für ihre Kreditfinanzierung. Darunter ist auch die HypoVereinsbank, mit der Häfele seit vielen Jahren eine vertrauensvolle Zusammenarbeit verbindet. „Mir ist wichtig, dass sich unsere Bankpartner auf uns einstellen und sie schnell und flexibel entscheiden können“, merkt Riegel dabei an.

Parallel dazu suchte das Unternehmen nach Möglichkeiten, die FInanzierung der Häfele Gruppe auf eine noch stabilere Basis zu stellen und den Investorenkreis zu erweitern. „Es gab keinen konkreten Anlass dafür. Hinter der Idee steckten vielmehr langfristige strategische Überlegungen“, erinnert sich Riegel.

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Entwicklung des Schuldscheinmarktes:

Schuldscheine zur Unternehmensfinanzierung gewinnen immer mehr an Bedeutung. Seit 2004 hat sich das Volumen des Schuldscheinmarktes fast versiebenfacht. 2017 wurden in Deutschland Transaktionen mit einem Volumen von rund 25 Milliarden Euro abgewickelt. Und für 2018 zeichnet sich erneut eine ordentliche Nachfrage ab. Fahren Sie mit der Maus über die Grafik, um die genauen Zahlen und Hintergründe für die Veränderungen zu sehen.

Unternehmensfinanzierung Schuldschein

Finanzierung langfristig sichern mit verbreiterter Investorenbasis.

Der Treasurer verfolgte drei Ziele: Erstens sollte die neue Finanzierungslösung längere Laufzeiten ermöglichen. Zweitens war es Riegel wichtig, den Investorenkreis zu erweitern. Und drittens wollte er sich durch die Ablösung eines Teils der bisherigen bilateralen Kreditverträge Luft für weiteres Wachstum verschaffen. „Bei der einen oder anderen Kreditlinie haben wir befürchtet, an der oberen Kante angelangt zu sein, auch wenn wir das bestehende Kreditvolumen insgesamt noch nicht als kritisch eingeschätzt haben. Wir wollen mit unseren Banken aber weiter wachsen. Das bedeutete für uns, dass wir im ersten Schritt das Kreditvolumen reduzieren mussten, um dann bei Bedarf wieder aufstocken zu können“, erläutert der Treasurer. 

Eile war nicht geboten. Häfele prüfte daher in aller Ruhe, mit welchen Instrumenten sich die Ziele am besten realisieren ließen. Schließlich entschied man sich, einen Teil der bisherigen Kredite in Schuldscheindarlehen umzuwandeln. „Wir denken langfristig. Bevor wir eine weitreichende Entscheidung treffen, überlegen wir lieber dreimal“, berichtet Riegel. Allerdings entsprachen die Marktkonditionen zunächst noch nicht seinen Vorstellungen. Das Zinsniveau war dem Treasurer noch zu hoch.

Carsten Wiesenthal, Expertenhilfe im Krisenfall
"Der Schuldschein ist für unsere Verhältnisse und Anforderungen als Mittelständler genau das richtige Instrument.“
Ulrich Riegel
Leiter Treasury Häfele Gruppe

Im Frühjahr 2015 war auch dieses Hindernis aus dem Weg. Die Häfele Gruppe entschied sich daher, Schuldscheindarlehen über 50 Millionen Euro zu emittieren, und mandatierte die HypoVereinsbank als einen von zwei Arrangeuren. Die Schuldscheine hatten Laufzeiten von fünf und sieben Jahren und waren zum Teil fix, zum Teil variabel verzinst.

 

Nachdem die Entscheidung einmal getroffen war, ging alles ganz schnell: Der Prozess von der Mandatierung über die Ausgestaltung der Vertragsstruktur, die Erstellung der Vermarktungsunterlagen und die Einwerbung der Investoren bis zum Abschluss der Transaktion dauerte gerade mal neun Wochen. „Der ganze Prozess lief völlig unproblematisch“, erinnert sich Riegel.

Kein Wunder: „Das Schuldscheindarlehen wurde am Markt mit großem Interesse aufgenommen. Nach kurzer Zeit war das Orderbuch bereits mehrfach überzeichnet“, sagt Maximilian Hagendorff, der die Emission seitens der HypoVereinsbank begleitete. Käufer waren vornehmlich Sparkassen, Landesbanken, Privatbanken und Volksbanken aus Deutschland und Österreich. Andere mögliche Investoren wie zum Beispiel Hedge-Fonds, Vermögensverwalter oder auch Privatpersonen waren von vornherein ausgeschlossen.

Der Schuldschein ist für Häfele ein Selbstläufer.

Die Emission ist das eine. Aber wie haben sich die Schuldscheine im Alltag bewährt? „Das Schuldscheindarlehen gibt uns die Möglichkeit zu lernen, was es bedeutet, mit einem breiter gefächerten Investorenkreis umzugehen: Wie muss das Berichtswesen ausgestaltet werden? Wie läuft eine Vermarktung ab?“ 

Zugleich war Riegel von Anfang an wichtig, dass die Anforderungen an Dokumentation, Berichtswesen und das Stellen von Sicherheiten nicht schwieriger sein würden als bei den bilateralen Bankverträgen. Riegel: „Wir versuchen, unsere Finanzierungsinstrumente so einfach wie möglich zu halten. Jedes Instrument sollte ein Selbstläufer sein und einfach funktionieren. Beim Schuldschein ist das der Fall.“

Carsten Wiesenthal, Expertenhilfe im Krisenfall
"Das Schuldscheindarlehen wurde am Markt mit großem Interesse aufgenommen. Nach kurzer Zeit war das Orderbuch bereits mehrfach überzeichnet.“
Maximilian Hagendorff
Associate Director Debt Capital Markets HypoVereinsbank

Zugleich schätzt der 50-Jährige die Möglichkeit, den Kapitalmarkt nutzen zu können, ohne dafür die Unternehmenskultur ändern zu müssen. „Wir als Familienunternehmen wollten uns nicht gleich komplett öffnen, indem wir zum Beispiel einen Prospekt veröffentlichen“, berichtet Riegel. Bei einem Schuldscheindarlehen bleibt die Vertraulichkeit gegenüber der Öffentlichkeit gewahrt. „Abgesehen von den Investoren und den beteiligten Banken bekommt niemand etwas davon mit“, bestätigt Hagendorff. Das ist ganz im Sinne von Häfele.

Banken weisen auf günstige Marktbedingungen hin.

Anfang dieses Jahres entstand die Chance, die Finanzierungsstruktur von Häfele weiter zu optimieren. Die beiden Arrangeure des Debüt-Schuldscheindarlehens, darunter auch die HypoVereinsbank, schlugen dem Treasurer vor, den variablen Anteil des bisherigen Schuldscheins durch einen neuen Schuldschein zu refinanzieren.

„Anfänglich hatten wir Bedenken, da wir unsere bisherigen Investoren nicht verärgern wollten“, erinnert sich Riegel. Doch diese Sorge erwies sich als unbegründet. „Es ist unter Investoren absolut üblich, dass variable Verpflichtungen frühzeitig refinanziert werden“, sagt Maximilian Hagendorff von der HypoVereinsbank. Somit konnte Häfele die variablen Tranchen des bisherigen Schuldscheins zu günstigeren Konditionen neu abschließen.

Nach zwei Jahren Erfahrung mit dem Schuldscheindarlehen zieht der Treasurer ein positives Fazit: „Alles läuft prima – es gibt keine Nachwehen. Der Schuldschein ist für unsere Verhältnisse und Anforderungen als Mittelständler genau das richtige Instrument.“

Das Unternehmen Häfele

Häfele ist ein international aufgestelltes Familienunternehmen mit Hauptsitz in Nagold, Deutschland. Hier finden Sie Wissenswertes zur Firma im Überblick.
  • Häfele wurde 1923 gegründet und bedient heute in über 150 Ländern weltweit die Möbelindustrie, Architekten, Planer, das Handwerk und den Handel mit Möbel- und Baubeschlägen sowie elektronischen Schließsystemen.

  • Häfele entwickelt und produziert Beschlagtechnik und elektronische Schließsysteme in fünf Werken in Deutschland und Ungarn.

  • Im Geschäftsjahr 2016 erzielte die Häfele Gruppe bei einem Exportanteil von 79 Prozent mit über 7.300 Mitarbeitern, 37 Tochterunternehmen und weiteren Vertretungen weltweit einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro.

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