#dasistmirwichtig Kamingespräch Sindelfingen

Mittelständler sollten sich in China auf spezielle Nischen fokussieren!

Termin
19. September 2019
Ort
Stuttgart
Thema
Handelspartner China - Chancen und Hürden für deutsche Unternehmen

Wie belastend ist der Handelsstreit für Chinas Wirtschaft wirklich? Und wie können deutsche Mittelständler ihre Geschäftsaussichten in der Volksrepublik verbessern?

Antworten auf diese Fragen kennen die Teilnehmer des Kaminabends der HypoVereinsbank in Stuttgart.

Es sind alarmierende Zeichen für deutsche Unternehmen, die mit China Geschäfte machen: Die Konjunktur der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt wächst so langsam wie seit 27 Jahren nicht mehr. Die seit Monaten anhaltende Schwächephase setzt sich damit fort. Das geht hervor aus aktuellen Zahlen der Pekinger Statistikbehörden.

Als Hauptgrund für die nachlassende Dynamik sehen viele Beobachter den Handelskonflikt mit den USA. Doch wie bedrohlich ist der Zollstreit für China wirklich? Welche Auswirkungen hat die Wachstumsverlangsamung auf die Chancen hiesiger Unternehmen im Reich der Mitte? Und wie können dort speziell deutsche Mittelständler ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sicherstellen?

Ihre Einschätzung hierzu gegeben, haben hochkarätige Experten bei dem jüngsten Kamingespräch in Stuttgart, das die HVB gemeinsam mit dem Handelsblatt organisiert hat. In vertraulicher Runde werden bei dieser bundesweit stattfindenden Veranstaltungsreihe wichtige Trendthemen im Mittelstand von Fachreferenten beleuchtet – und anschließend im Austausch mit ausgewählten Gästen vertieft.

 

"Der Handelskrieg zwischen USA und China spielt uns einen großen Streich!"

 #dasistmirwichtig Kamingespräch Stuttgart
Karl Dungs, Geschäftsführer Dungs Combustion Controls

China bietet immer noch viele Chancen.

Markus Beumer, Firmenkundenvorstand der HypoVereinsbank stellte fest: „China verfügt über immer mehr Technologien, in denen es bereits weltweit führend ist - beispielsweise in der Bahnindustrie.“ Zu glauben, dass deutsche Firmen über alle Bereiche mit der Innovations- und Leistungskraft Chinas Schritt halten könnten, sei geradezu „utopisch“. Deutschland müsse sich daher gezielt auf besonders zukunftsfähige Technologien konzentrieren, in denen der Vorsprung auf die Wettbewerber verteidigt werden könne.

 #dasistmirwichtig Kamingespräch Stuttgart
Markus Beumer, Firmenkundenvorstand der HypoVereinsbank
Sha Hua, Handelsblatt

„Nicht der Handelsstreit mit den USA ist das Hauproblem der chinesischen Wirtschaft, sondern die seit Jahren rapide steigenden Löhne“, erläuterte Handelsblatt-Korrespondentin Sha Hua den Teilnehmern in ihrem Diskussionsbeitrag aus Peking. Deswegen verlagerten chinesische Unternehmen ihre Produktion zunehmend beispielsweise in Niedrigstlohnländer wie Vietnam, wo für Personal deutlich weniger gezahlt werden müsse.

„Der Handelsstreit ist auch deshalb von eher nachrangiger Bedeutung, weil die meisten chinesischen Firmen für den Binnenmarkt produzieren – nicht für den Export, der durch Strafzölle erschwert wird“, ergänze Hua.

Die Journalistin räumte auch mit weiteren hierzulande weit verbreiteten Irrtümern und Vorurteilen auf, der deutsche Unternehmenslenker vor einem Engagement in China oft abhalten. „So ist etwa der Schutz geistigen Eigentums in den vergangenen Jahren enorm verbessert worden“, sagte Hua. Sensibilisiert worden sei hier die Gesetzgebung auch dadurch, dass chinesische Unternehmen inzwischen zunehmend ihr eigenes Eigentum geschützt sehen möchten.

Trotz aller positiven Entwicklungen für die Geschäftsaussichten hiesiger Unternehmen im Reich der Mitte warnte Hua die Teilnehmer des Kaminabends aber auch eindringlich vor den Risiken nachlassender Innovationskraft deutscher Firmen: Verhandlungspartner auf Augenhöhe werde Deutschlands Wirtschaft nur bleiben, solange man weiterhin Besonderes zu bieten habe. Produkte, die Chinas eigene Unternehmen nicht im Portfolio hätten. Dies werde wegen der enormen Entwicklungsgeschwindigkeit chinesischer Firmen zusehends schwieriger.

Karl Dungs, Dungs Combustion Controls

Doch welche Sektoren kommen dafür überhaupt in Frage? Einigkeit herrschte unter den Teilnehmern der HVB-Veranstaltung darüber, dass dazu etwa Umwelttechnologie gehört, wo Deutschland seit langem eine führende Rolle spielt. „Umweltschutz hat in China einen enorm hohen Stellenwert bekommen“, wusste Referent Karl Dungs zu berichten. Er ist Geschäftsführer des Familienunternehmens Dungs, das seinen Stammsitz in Urbach bei Stuttgart hat. Der Hidden Champion gehört zu den weltweit führenden Zulieferern von Gas-Sicherheits- und Regelungstechnik für die Heizungs-, Prozesswärme- und Gasmotoren-Industrie und ist seit drei Jahrzehnten auch in China aktiv ist.

„Dort haben wir anfangs Kunden lediglich dabei unterstützt, ihre Produkte auf den Markt zu bringen.  Später aber haben wir zunächst eine eigene Vertriebsgesellschaft gegründet und betreiben heute zudem eine Produktionsgesellschaft“, erläuterte der Firmenlenker. „Was vielen Menschen nicht bewusst ist: China war die erste Nation, die gesagt hat, wir wollen weg von der Kohle - hin zum sauberen Gas“, räumte Dungs mit der weitverbreiteten Mär von der Gleichgültigkeit der Chinesen gegenüber Umweltschutz auf. „Und genau davon profitieren wir.“

Er teilt die zentrale Einschätzung anderer Teilnehmer des Kaminabends: „Wer keine besonderen Technologien, sondern nur Standardlösungen liefern könne, hat in China keine Chance.“ Schließlich sei dort eine eigenständige Industrie entstanden, die längst nicht mehr nur zu kopieren wisse, sondern eigene intelligente Lösungen entwickele, so Dungs. Zudem habe Deutschlands einst strahlendes Image empfindliche Kratzer bekommen und fange an sich zu wandeln – „angesichts etwa des Dieselskandals reibt man sich dort verwundert die Augen.“

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